Wladimir Putin schlägt Alarm: Die russische Wirtschaft zeigt besorgniserregende Anzeichen einer anhaltenden Krise. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,8 Prozent gesunken, wie der Kremlchef in einer Regierungssitzung mitteilte. Diese Entwicklung steht im Widerspruch zu den jüngsten Prognosen der Zentralbank, die ein Wachstum von 1,6 Prozent für das erste Quartal erwartet hatte.
Obwohl Putin anmerkte, dass die geringere Anzahl an Arbeitstagen aufgrund von Feiertagen teilweise für den Rückgang verantwortlich sei, forderte er von seinem Kabinett Maßnahmen zur Stärkung der angeschlagenen Wirtschaft. Dies war bereits die zweite Sitzung zu diesem Thema seit Ende März, was darauf hindeutet, dass der Druck auf die Regierung zunimmt.
Wirtschaftliche Schwierigkeiten in verschiedenen Sektoren
Die Probleme sind in nahezu allen Wirtschaftsbereichen spürbar. Besonders betroffen sind der verarbeitende Sektor, der Güterverkehr, die Industrieproduktion und der Bau. So hat die Baufirma Samoljot, eine der größten des Landes, im Februar vergeblich um einen subventionierten Kredit von über 550 Millionen Euro gebeten. Der Chef der Staatsbank VTB, Andrej Kostin, prognostizierte, dass es „mehrere Jahre“ dauern könnte, bis das Unternehmen wieder auf Kurs ist. Experten warnen zudem vor einer Welle von Insolvenzen im Bausektor.
Ursachen der Krise
Die Ursachen für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind vielfältig und stehen in direktem Zusammenhang mit dem von Putin angeordneten Krieg gegen die Ukraine. Die Sanktionen, die aufgrund der Invasion verhängt wurden, haben Russland von ausländischen Technologien und Investitionen abgeschnitten. Zudem drückt der hohe Leitzins von 15 Prozent die Investitionstätigkeit im Inland, da Kredite teurer sind als die potenziellen Gewinne aus den Investitionen.
Die Zentralbank sieht sich daher seit längerem der Kritik von Unternehmern und dem Industrieverband ausgesetzt. Der Zinssatz wurde nicht willkürlich erhöht, sondern um die Inflation zu bekämpfen und den Rubel zu stabilisieren. Zu Beginn des Krieges war das Ziel, die Bürger davon abzuhalten, ihre Ersparnisse abzuziehen und in Devisen zu tauschen. Später war es notwendig, den Inflationsdruck auszugleichen, der durch die massiven staatlichen Ausgaben im Rüstungssektor entstanden war.
Strukturelle Probleme und Steuerbelastungen
Die strukturellen Schwächen der russischen Volkswirtschaft, wie niedrige Produktivität und Fachkräftemangel, sind weiterhin vorhanden. Der Volkswirt Dmitri Nekrassow erklärte, dass die Frontlinie „wie ein Staubsauger“ wirkt und weitere Arbeitskräfte aus der Wirtschaft abzieht. Um den Krieg zu finanzieren, hat der Staat nicht nur hohe Schulden aufgenommen, sondern auch neue Steuern eingeführt, darunter eine höhere Gewinn- und Mehrwertsteuer.
Die offizielle Inflationsrate liegt bei über fünf Prozent, doch die Bürger spüren im Alltag, dass ihre Kaufkraft sinkt, da die Preise für alltägliche Produkte stark gestiegen sind. Zudem zeigen sich die negativen Auswirkungen des Krieges: Die Ukraine hat es geschafft, den Konflikt auf russisches Territorium zu tragen, was zu erheblichen Schäden in der Ölindustrie führt. Die ständigen Drohnenangriffe und die Abschaltung des Internets verschärfen die Situation weiter.
Ölpreise als kurzfristige Entlastung
Eine kurzfristige Erleichterung für Russland kam durch den von US-Präsident Donald Trump initiierten Konflikt im Iran. Im April stiegen die Einnahmen aus der wichtigsten Ölsteuer auf über acht Milliarden Euro. Die hohen Preise für Öl, Gas und Düngemittel bieten dem russischen Finanzminister eine vorübergehende Atempause, auch wenn das erste Quartal mit einem Rekorddefizit von über 50 Milliarden Euro endete, was 21 Prozent über den ursprünglichen Jahresprognosen liegt.
Experten warnen jedoch, dass der Ölpreisschock kaum positive Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben wird. Der erstarkende Rubel, die hohen Kreditkosten und die daraus resultierenden geringen Investitionen verhindern eine signifikante Erholung der russischen Wirtschaft.
- Kreml drosselt mobiles Internet – Millionen Nutzer betroffen
- USA erlauben vorübergehend Kauf von russischem Öl – Ausnahme wegen Energiekrise
„`
Bildquelle: The Presidential Press and Information Office via Wikimedia Commons (CC BY 4.0)