Die Situation im Westjordanland hat sich dramatisch verschärft: Innerhalb von nur zwei Tagen sind drei Palästinenser durch die Gewalt israelischer Siedler ums Leben gekommen. Diese Vorfälle haben in den israelischen Medien Besorgnis ausgelöst, die zunehmend von „jüdischem Terror“ sprechen.
Erneute Gewalttaten durch Siedler
Ein 25-jähriger Palästinenser wurde in der Stadt Deir Dibwan, östlich von Ramallah, durch Schüsse von Siedlern getötet, wie das palästinensische Gesundheitsministerium berichtete. Dies ist der dritte Todesfall in Folge von Siedlergewalt im Westjordanland innerhalb von zwei Tagen. Berichten zufolge hat die israelische Armee in der Stadt mehr als 30 Personen festgenommen.
Die palästinensische Autonomiebehörde gab an, dass israelische Streitkräfte Palästinenser aus Deir Dibwan festgenommen hätten. Auf der Plattform X wurden Videos veröffentlicht, die Dutzende von Männern zeigen, die in einer Reihe eine Straße entlanggeführt werden. Diese Aufnahmen konnten bislang nicht unabhängig verifiziert werden.
Reaktionen auf die Vorfälle
Die israelische Armee erklärte, dass sie Berichte über israelische Zivilisten erhalten habe, die ohne Genehmigung das Gebiet betreten hätten. Die betreffenden Siedler seien der Polizei übergeben worden. Weitere Verdächtige, die angeblich Steine auf israelische Zivilisten geworfen hatten, wurden festgenommen, jedoch später wieder freigelassen. Zudem wurde ein Bericht über einen durch Schüsse getöteten Palästinenser eingereicht, der derzeit untersucht werde.
Vorfälle im Dorf Al-Mughajjir
Am Dienstag hatte der Rote Halbmond mitgeteilt, dass zwei Menschen im Dorf Al-Mughajjir im zentralen Westjordanland durch Schüsse israelischer Siedler getötet wurden. Unter den Opfern soll sich ein 14-jähriges Kind befunden haben. Vier weitere Personen wurden bei diesem Vorfall verletzt. Die israelische Armee gab an, den Vorfall zu untersuchen.
Hintergrund der Gewalt
Im Westjordanland leben neben etwa drei Millionen Palästinensern auch mehr als 500.000 Israelis in Siedlungen und Außenposten, die nach internationalem Recht als illegal gelten. Seit dem groß angelegten Angriff der radikalislamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat die Gewalt im Westjordanland erheblich zugenommen. Der Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar hat die Zahl der Gewalttaten durch radikale Siedler weiter erhöht.
Laut Berichten wurden seit Beginn des Gaza-Kriegs mindestens 1065 Palästinenser im Westjordanland durch israelische Soldaten oder Siedler getötet. Offiziellen israelischen Zahlen zufolge kamen in diesem Zeitraum 46 Israelis, darunter Soldaten und Zivilisten, ums Leben. Für weitere Informationen über ähnliche tragische Vorfälle, wie etwa die Geschehnisse in Atlanta, können Sie hier nachlesen.
Gewalt im Gazastreifen
Auch im Gazastreifen gab es jüngst tödliche Vorfälle: Nach Angaben palästinensischer Quellen wurden bei einem israelischen Luftangriff fünf Menschen getötet, darunter drei Kinder. Der Angriff ereignete sich in der Nähe einer Moschee in Beit Lahia.
Steigende Gewaltzahlen
Die UN berichteten, dass die gewaltsamen Zwischenfälle im Gazastreifen seit Inkrafttreten der Waffenruhe einen neuen Höchststand erreicht haben. Die Zahl der Vorfälle, wie Schusswechsel und Angriffe, sei zwischen dem 12. und 18. April im Vergleich zur Vorwoche um 46 Prozent gestiegen. Dies stellt den höchsten Wochenwert seit der Waffenstillstandsvereinbarung im Oktober dar. Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seit Beginn der Waffenruhe mehr als 760 Palästinenser im Gazastreifen getötet. Auch eine tragische Campinggeschichte, die einen deutschen Staatsbürger betrifft, zeigt die Gefahren, die Menschen in Krisengebieten ausgesetzt sind. Weitere Details finden Sie hier.