Viktor Orban hat sich geschlagen gegeben. Die ungarische Wählerschaft hat Peter Magyar als neuen Regierungschef gewählt. Mit diesem Wechsel verliert der russische Präsident Wladimir Putin seinen Einfluss in der EU. Magyar hat bereits angekündigt, in vielen Bereichen eine Wende herbeizuführen – jedoch nicht in allen.
Die Ära Orban ist beendet. Nach 16 Jahren hat Ungarn einen neuen Regierungschef: Peter Magyar. Mit 53,7 Prozent der Stimmen erringt die konservative Tisza-Partei einen klaren Sieg. Fidesz, die Partei von Viktor Orban, kommt lediglich auf 37,8 Prozent. Für Orban, der über Jahre hinweg den ungarischen Staat und die Medien nach seinen Vorstellungen umgestaltet hat, ist diese Niederlage besonders schmerzhaft. Orban gesteht seine Niederlage ein.
Zu den Verlierern zählen auch Orbans internationale Verbündete, insbesondere Wladimir Putin. Orban trat in Brüssel häufig als Handlanger des russischen Präsidenten auf, indem er Sanktionen gegen Russland abschwächte, Hilfen für die Ukraine torpedierte und in EU-Gremien russlandfreundliche Positionen vertrat. Magyar hat den Ungarn versprochen, in vielen Bereichen eine grundlegende Wende einzuleiten, sowohl in der Innen- als auch in der Außenpolitik. Ungarns Tisza-Partei feiert Wahlsieg.
Wahlergebnisse und Sitzverteilung im Parlament
Die Sitzverteilung im ungarischen Parlament zeigt, dass die Tisza-Partei voraussichtlich 138 von 199 Mandaten gewinnen wird, was einer Zweidrittelmehrheit entspricht. Diese Mehrheit ist entscheidend, um einen echten Politikwechsel zu ermöglichen. Die Auszählung der Stimmen ist zu 98,94 Prozent abgeschlossen (Stand: 13. April 2026, 7:45 Uhr MESZ).
- Tisza-Partei: 138 Mandate
- Fidesz–KDNP: 55 Mandate
- DK: 6 Mandate
- MHM: 0 Mandate
Fidesz hat die Wahlschlappe bereits anerkannt. Magyar berichtete, dass Orban bereits zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale anrief, um zu gratulieren. Orban selbst bezeichnete seine Niederlage als „schmerzhaft“. Magyar hingegen feierte den Sieg als „Befreiung“ Ungarns: „Gemeinsam haben wir das Orban-Regime gestürzt. Wir haben Ungarn befreit, wir haben uns unsere Heimat zurückgeholt.“
Reformen und EU-Politik
Die Fidesz-Regierung hat zahlreiche Änderungen an der Verfassung vorgenommen, die die Handlungsspielräume für die Tisza-Partei einschränken könnten. Um diese Änderungen rückgängig zu machen, benötigt Tisza ebenfalls eine Zweidrittelmehrheit. Magyar plant, Ungarn wieder näher an die EU heranzuführen und die eingefrorenen Fördergelder in Höhe von rund 20 Milliarden Euro freizubekommen. Diese Gelder wurden von Brüssel gesperrt, da Orbans Regierung gegen grundlegende Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit verstoßen und Korruption begünstigt hat.
Die zentrale Struktur des Fidesz-Systems, das von Verfassungsänderungen über das Wahlrecht bis hin zu Schlüsselpositionen in Justiz und Medien reicht, wurde mit einer Zweidrittelmehrheit beschlossen. Viele Verantwortliche in Brüssel dürften nun erleichtert aufatmen, da Magyar voraussichtlich nicht im Sinne Putins agieren wird. Die Abhängigkeit der Fidesz-Regierung vom Kreml wurde deutlich, als ungarische Medien berichteten, dass Orbans Außenminister Péter Szijjártó in direktem Kontakt mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow stand, um Wünsche aus dem Kreml für die ungarischen Positionen in Brüssel entgegenzunehmen.
Reaktionen aus der Politik
Friedrich Merz gratulierte Magyar auf sozialen Medien zu seinem Sieg und äußerte seine Vorfreude auf eine Zusammenarbeit für ein starkes, sicheres und geeintes Europa. Auch Außenminister Johann Wadephul begrüßte den Sieg der Opposition und die Niederlage von Orban. „Die Menschen in Ungarn haben gewählt. Sie haben sich für den politischen Wandel entschieden“, schrieb Wadephul.
Manfred Weber, der Vorsitzende der EVP, gratulierte Magyar persönlich am Telefon und bezeichnete die Wahl als Signal gegen die Rechtspopulisten in Europa. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen äußerte sich ebenfalls positiv: „Ungarn hat Europa gewählt.“ Der grüne Europaabgeordnete Daniel Freund erklärte: „Das ist das Ende von Orbans korruptem Mafiastaat.“ Dies sendet ein Signal an Autokraten und Rechtspopulisten weltweit.
Zukünftige Herausforderungen
Dennoch sind nicht alle Positionen Magyars ein klarer Gegensatz zu Orbans Politik. Auch unter einer von Tisza geführten Regierung wird ein strikter Anti-Einwanderungskurs erwartet, und Waffenlieferungen an die Ukraine werden voraussichtlich abgelehnt. In Brüssel sind daher skeptische Stimmen zu hören, was den zukünftigen Kurs Ungarns unter einer neuen Regierung betrifft. Ein EU-Diplomat bezeichnete Magyar als „Orban ohne die Korruption“.
Die Tisza-Partei ist seit 2024 im Europaparlament vertreten und hat sich der konservativen EVP-Fraktion angeschlossen, der auch CDU/CSU angehören. Magyar, der als Politik-Newcomer gilt, hat sich von der Fidesz-Partei abgewandt, weil er mit dem Günstlingssystem unzufrieden war, das Orban für seine Anhänger etabliert hatte. Nach seinem Bruch mit Orban vor zwei Jahren hat er das Land bereist, um die Ungarn von seinen politischen Positionen zu überzeugen. Diese groß angelegten Touren waren ein zentraler Bestandteil seiner Wahlkampfstrategie, um die von Fidesz kontrollierten Medien zu umgehen.
Inhaltlich versteht sich die Tisza-Partei als Sammelbecken für all jene, die mit Orbans Politik unzufrieden sind. Das Parteiprogramm bietet Anknüpfungspunkte für viele Gruppen, von sozialstaatlichen Versprechen wie höheren Familienleistungen und Investitionen in Gesundheit und Bildung bis hin zu konservativen Positionen bei Migration und Grenzschutz. Die Umsetzung dieses Programms wird jedoch ohne die Zweidrittelmehrheit im ungarischen Parlament nur schwer möglich sein. Ungarn vor entscheidender Wahl.
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Bildquelle: Goty98 via Wikimedia Commons (CC BY 4.0)