Die Straße von Malakka, die zwischen Indonesien und Malaysia verläuft, stellt die am stärksten frequentierte Meerenge der Welt dar. Eine mögliche Blockade, ähnlich wie im Fall der Straße von Hormus, hätte nicht nur Auswirkungen auf China, sondern würde die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen.
Die Erfahrungen mit der Straße von Hormus verdeutlichen, wie rasch Handelsrouten zu einem Instrument der Macht werden können. Diese Erkenntnis lenkt das Augenmerk von Staaten und Unternehmen auf andere kritische Wasserwege, insbesondere die Straße von Malakka.
Im Jahr 2025 passierten über 100.000 Schiffe diese Wasserstraße, die mit 25 bis 40 Prozent des weltweiten Seehandels beladen waren, je nach Schätzung. Damit ist die Straße von Malakka von noch größerer Bedeutung als die Straße von Hormus.
Azrin, ein Bootsverleiher in Malakka, beobachtet seit mehr als zwei Jahrzehnten, dass die Anzahl der Schiffe, die durch diese enge Passage fahren, seit dem Krieg im Iran zurückgegangen ist. Er äußert seine Besorgnis, dass die Straße von Malakka eines Tages ebenfalls zum Streitpunkt zwischen den Supermächten werden könnte:
„Das würde unsere Wirtschaft treffen. Natürlich machen wir uns Sorgen. Aber es würde vor allem den Seehandel weltweit betreffen, dann hätte die Welt ein wirklich großes Problem.“
Der maritime Handel zwischen Europa und Südostasien verläuft nahezu vollständig über die Straße von Malakka, die Waren wie Elektronik, Schuhe und Spielzeug transportiert. Zudem stellt die Meerenge den kürzesten Transportweg für Öl und Gas aus dem Nahen Osten nach Ostasien dar.
Besonders China ist auf diese Route angewiesen, da fast 80 Prozent seiner Ölimporte durch die Meerenge fließen. Geopolitisch spielt die Straße von Malakka eine herausragende Rolle. Im Krisenfall wäre sie militärisch leicht zu blockieren, da sie an ihrer engsten Stelle nur etwa 2,8 Kilometer breit ist. Eine solche Blockade würde die globalen Lieferketten nahezu aller Industrien sofort zum Erliegen bringen, so eine Analyse der Wirtschaftsförderungsagentur des Bundes.
Chinas strategische Verwundbarkeit
China ist der größte Abnehmer iranischen Öls. Nach der iranischen Blockade der Straße von Hormus floss das Öl weiterhin nach China. Die Spannungen zwischen China und den USA haben zugenommen, seit die USA die iranischen Häfen blockieren. Chinas UN-Botschafter Fu Cong erklärte, dass die Blockade ein zentrales Thema auf der Tagesordnung sein werde, wenn Trump im Mai China besucht.
Im Falle eines Konflikts könnte die Straße von Malakka eine strategische Schwachstelle für China darstellen, erläutert die Sicherheitsexpertin Darshana Baruah vom Internationalen Institut für Strategische Studien:
„Im Falle eines Konflikts würden die USA versuchen, China den Zugang zu den wichtigen Seeverbindungswegen zu versperren, die das Land mit der übrigen Welt verbinden, sei es mit Afrika, Europa, dem Golf oder Südasien.“
Die Rivalität zwischen China und den USA um Einfluss in der Region ist seit langem ein Thema. Anhaltende Spannungen um Taiwan und konkurrierende Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer könnten im Falle einer Eskalation die Kontrolle über die Meerenge zu einem entscheidenden Druckmittel machen.
Erst kürzlich haben Indonesien und die USA angekündigt, ihre Verteidigungspartnerschaft auszubauen und über die Möglichkeit diskutiert, dass US-Militärs den indonesischen Luftraum überfliegen dürfen. Dies würde den USA ermöglichen, einen sensiblen Korridor wie die Straße von Malakka zu überwachen.
Das Malakka-Dilemma
Chinas Abhängigkeit von der Meerenge wird seit den frühen 2000er-Jahren als „Malakka-Dilemma“ bezeichnet, ein Begriff, der auf den ehemaligen Präsidenten Hu Jintao zurückgeht. China versucht, seine Versorgungswege zu diversifizieren, bleibt jedoch stark auf den Seeweg angewiesen.
Die Folgen einer Blockade der Straße von Malakka würden nicht nur China betreffen, sondern auch die globalen Lieferketten beeinträchtigen, die Energiekosten erhöhen, den Handel verzögern und eine wirtschaftliche Krise auslösen. Alternative Routen existieren, sind jedoch länger, teurer und für viele Schiffe ungeeignet, da die Gewässer zu flach sind.
Indonesien denkt über Gebühren nach
In Indonesien hat Finanzminister Purbaya Yudhi Sadewa kürzlich angedeutet, dass man Gebühren für Schiffe erheben könnte, die die Straße von Malakka passieren, ähnlich wie es Iran in der Straße von Hormus tut.
„Wenn wir das zu dritt zwischen Indonesien, Malaysia und Singapur aufteilen, könnte da einiges zusammenkommen, oder?“
Die drei Länder, die an die Meerenge grenzen, haben durch ihre geografische Lage erheblichen Einfluss auf eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Diese Idee wurde jedoch umgehend von den Außenministern Malaysias, Singapurs und auch von Indonesiens eigenem Außenminister zurückgewiesen. Die Straße von Malakka gilt als internationale Meerenge, durch die Schiffe frei und ungehindert passieren dürfen.
Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass eine Maut in der Straße von Malakka eingeführt wird, bleibt der Gedanke im Raum und wird weiterhin diskutiert. Sollte Iran tatsächlich eine Maut für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus erheben, könnte dies die Debatte in Indonesien oder anderswo möglicherweise erneut anstoßen.
Thailand plant Landverbindung
Die Blockade der Straße von Hormus hat Thailand dazu veranlasst, seine Pläne für eine Landverbindung wieder aufzugreifen. Thailand, das nordöstlich der Straße von Malakka liegt, möchte einen Landkorridor aus Straßen und Eisenbahnen bauen, um die Meerenge zu umgehen.
Dieser Weg würde direkt vom Indischen Ozean in den Pazifik führen. Der Plan gilt jedoch als finanzielles und logistisches Mammutprojekt.
„Ich denke, dass Landalternativen in bestimmten Situationen und Krisenzeiten tragfähig und nützlich sind. Aber in Friedenszeiten unter normalen Umständen wird man immer den Transport über den Seeweg abwickeln“,
sagt Sicherheitsexpertin Darshana Baruah, da der Seeweg kostengünstiger und weniger aufwändig ist.
Malakka-Prämie
Die Schifffahrt weltweit könnte teurer werden, da Versicherer höhere Prämien verlangen könnten, um das gestiegene geopolitische Risiko zu berücksichtigen. Der Marktanalyst Nigel Green prägte kürzlich den Begriff „Malakka-Prämie“ für die steigenden Kosten von Versicherung und Transport durch diese zentrale Wasserstraße.
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Quellen: tagesschau
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