Ausblick: Die Deutsche Bahn sieht sich mit erheblichen Verzögerungen bei den Arbeiten an Stuttgart 21 konfrontiert, nachdem falsche Kabel verlegt wurden. Die vollständige Inbetriebnahme des Bahnhofs wird nun erst für das Jahr 2031 angestrebt. Dies ist besonders problematisch, da die Region Baden-Württemberg seit 16 Jahren unter den Konsequenzen dieses Projekts leidet.
Aktueller Stand der Bauarbeiten
Die Schwierigkeiten bei Stuttgart 21 stehen im direkten Zusammenhang mit der Digitalisierung des Bahnknotens. Im Rahmen eines bundesweiten Pilotprojekts sollen die Schienen und Züge mit dem European Train Control System (ETCS) ausgerüstet werden, welches eine digitale Steuerung der Züge durch moderne Stellwerke ermöglicht. Allerdings wurde vor vier Jahren festgestellt, dass in den Randbereichen des Bahnknotens weiterhin Güterzüge ohne ETCS fahren werden, was die Notwendigkeit herkömmlicher Signale bedingt.
Hintergrund der Probleme
Für den Digitalen Knoten Stuttgart sind umfangreiche Kabelverlegungen sowie der Bau von Schächten erforderlich. Allein zwischen Stuttgart-Bad Cannstatt und Waiblingen werden etwa 1.200 Kilometer Kabel benötigt. Ein erheblicher Teil der bereits installierten Kabel und Schächte entspricht jedoch nicht den Vorgaben und muss ersetzt werden, wodurch der ursprünglich für Dezember 2026 geplante Eröffnungstermin nicht gehalten werden kann.
Die Entscheidung zur Kabelverlegung wurde anscheinend unter erheblichem Zeitdruck getroffen. Normalerweise wird ein Bahnknoten in mehreren Phasen gebaut, beginnend mit der Planung und der Beauftragung der ausführenden Firmen. Insidern zufolge wurde jedoch der Auftrag zur Kabelverlegung erteilt, bevor die Planung abgeschlossen war, um Verzögerungen durch neue Streckensperrungen zu vermeiden.
Risiken und Herausforderungen
Die fehlerhafte Kabelverlegung hat zu einem signifikanten Zeitverlust geführt. Auf eine Anfrage zu den Verzögerungen antwortete die Bahn lediglich, dass die Geschäftsführung der DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH beauftragt wurde, bis spätestens Mitte 2026 ein neues Inbetriebnahmekonzept zu erarbeiten.
Hitachi, der Anbieter der digitalen Technik, äußerte sich ebenfalls zu den Schwierigkeiten und betonte, dass gelegentlich Meinungsverschiedenheiten auftreten, diese jedoch partnerschaftlich gelöst werden. In der Vergangenheit gab es selten öffentliche Äußerungen von Hitachi zu den Vorwürfen der Bahn, da vertragliche Gründe dies oft untersagen.
Ein Experte für Bahntechnologie äußerte sich kritisch zu den Entwicklungen und bezeichnete die Baustelle als chaotisch. Er betonte, dass eine Doppelausrüstung erforderlich sei, wenn die Verkehrsunternehmen nicht rechtzeitig informiert werden, dass bestimmte Strecken nur unter ETCS befahren werden können. Dies erfordere jedoch eine Vorlaufzeit von etwa fünf Jahren.
Die Bahn kündigte zudem an, dass 450 Signale neu installiert wurden, wobei die Kosten für ein einzelnes Signal schätzungsweise bei 100.000 Euro liegen, was insgesamt etwa 45 Millionen Euro ausmacht. Konkrete Angaben zu den Gesamtkosten wurden jedoch nicht gemacht.
Die vollständige Inbetriebnahme von Stuttgart 21 wird voraussichtlich erst im Jahr 2031 erfolgen. Insider berichten, dass die Bahn auf einer Pressekonferenz Ende Juni ein neues Inbetriebnahmeszenario vorstellen wird, wobei die Stuttgarter Zeitung sogar von einer Inbetriebnahme bis 2032 spricht.
Die Verzögerungen sind nicht ausschließlich auf die fehlerhafte Kabelverlegung zurückzuführen, sondern auch auf weitere Faktoren wie Probleme mit der Notstromversorgung und Baumängel an den Bahnsteigen. Am 26. Juni wird die Bahn die Projektpartner informieren und eine Pressekonferenz abhalten, um die aktuellen Entwicklungen näher zu erläutern.
Quellen: tagesschau, zdfheute
Bildquelle: Pjt56 via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)