Seit den frühen Morgenstunden führt die Polizei Durchsuchungen bei mutmaßlichen Mitgliedern der Gruppen „Deutsche Jugend Voran“ (DJV) und „Jung und Stark“ (JS) durch. Der Generalbundesanwalt erhebt den Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung gegen diese Gruppen.
Die Polizei durchsucht die Wohnungen von mehr als 36 Verdächtigen, die überwiegend Jugendliche oder junge Erwachsene sind. Nach Informationen aus Ermittlerkreisen sind einige dieser Personen bereits in der Vergangenheit durch gewalttätiges Verhalten aufgefallen. Viele der Beschuldigten gelten als führende Köpfe innerhalb der beiden Organisationen. Die Sicherheitsbehörden schätzen, dass jede dieser Gruppen mehrere Hundert potenzielle Mitglieder hat.
Durchsuchungen in mehreren Bundesländern
Die Durchsuchungen finden in insgesamt zwölf Bundesländern statt, darunter:
- Bayern
- Berlin
- Brandenburg
- Hessen
- Mecklenburg-Vorpommern
- Niedersachsen
- Nordrhein-Westfalen
- Rheinland-Pfalz
- Saarland
- Sachsen
- Sachsen-Anhalt
- Schleswig-Holstein
Der Generalbundesanwalt betrachtet die beiden Gruppen als kriminelle Vereinigungen und hat das Verfahren aufgrund der besonderen Bedeutung an sich gezogen. DJV und JS gelten als besonders gewaltbereit und sind seit ihrer Gründung Mitte 2024 im Fokus der deutschen Sicherheitsbehörden.
Vorstrafen und Ermittlungen
Julian M., der mutmaßliche Anführer von DJV, wurde im April des vergangenen Jahres in Berlin zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Gegen die Gruppe JS ermittelt der Generalbundesanwalt seit Mitte 2025.
Besonders auffällig ist, dass einige der mutmaßlichen Mitglieder erst 15 Jahre alt sind.
Öffentliche Präsenz der Gruppen
Beide Organisationen sind bundesweit aktiv, wobei DJV einen klaren regionalen Schwerpunkt in Berlin und Brandenburg hat. Sie agieren nicht im Verborgenen, sondern sind stark aktionistisch und öffentlich präsent. Immer wieder fallen sie durch ihre hohe Gewaltbereitschaft auf. So sollen sie mehrfach Störaktionen gegen Veranstaltungen zum Christopher Street Day organisiert haben und sind in zahlreiche Gewalttaten gegen queere Menschen sowie politisch Andersdenkende verwickelt.
In sozialen Medien versuchen beide Gruppen, neue Mitglieder zu gewinnen. DJV betreibt beispielsweise Accounts auf Instagram und Telegram, über die auch Veranstaltungen beworben werden, wie zuletzt am 1. Mai in Essen. Beide Organisationen haben enge Verbindungen zur rechtsextremistischen Partei Heimat, die früher als NPD bekannt war, sowie deren Jugendorganisation, den Jungen Nationalisten. Bei der Werbung für die Veranstaltung am 1. Mai verbreitete DJV auf ihrem Telegram-Kanal eine Videobotschaft des Heimat-Vorsitzenden Peter Schreiber.
Ein weiterer Schlag gegen rechtsextreme Jugendgruppen
Mit dieser Durchsuchungsaktion setzt die Bundesanwaltschaft einen weiteren Schritt gegen rechtsextremistische Jugendgruppen. Zuletzt hatte Generalbundesanwalt Jens Rommel mutmaßlichen Mitgliedern der rechtsextremistischen Gruppe „Letzte Verteidigungswelle“ vorgeworfen, eine terroristische Vereinigung zu bilden.
Seit März 2026 müssen sich acht mutmaßliche Mitglieder dieser Gruppe vor dem Oberlandesgericht Hamburg verantworten. Die Bundesanwaltschaft ist überzeugt, dass es sich um eine terroristische Vereinigung handelt. Einige der Angeklagten sind minderjährig und sollen ein Kulturzentrum im brandenburgischen Alt-Döbern in Brand gesetzt sowie Anschläge auf Asylbewerberunterkünfte verübt oder geplant haben.
„Viele junge Beschuldigte“, sagte Holger Schmidt vom SWR zu den Razzien bei Rechtsextremen.
Diese Entwicklungen verdeutlichen die anhaltende Bedrohung durch rechtsextreme Gruppierungen in Deutschland und die Notwendigkeit, entschlossen gegen solche Aktivitäten vorzugehen.
Quellen: tagesschau
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