Die europäische Polizeikooperation hat mit der Kampagne „Identify Me“ eine umfassende Suche nach Hinweisen auf zahlreiche unbekannte Frauen gestartet, die unter teils grausamen Umständen ums Leben kamen. In Deutschland sind derzeit neun Opfer zu identifizieren.
Das Bundeskriminalamt (BKA) vermeldet einen bedeutenden Fortschritt, den französische Sicherheitsbehörden erzielt haben. Nach 21 Jahren konnte die Identität einer grausam ermordeten Frau geklärt werden: Hakima Boukerouis.
Am 7. Januar 2005 entdeckten Ermittler die verstümmelte Leiche in einer Regentonne im französischen Dorf Saint-Quirin. Die Frau war in schwarze Müllsäcke gewickelt und mit Seilen verschnürt. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie im Herbst 2004 qualvoll gestorben ist.
Identität nach über zwei Jahrzehnten geklärt
Über zwei Jahrzehnte blieb die Identität des Opfers unbekannt. Ein entscheidender Hinweis war eine spezielle Zahnkrone, die sie trug. Der Durchbruch gelang durch einen DNA-Abgleich mit Familienangehörigen.
Zusätzlich wurde mittlerweile ein Verdächtiger im Zusammenhang mit dem gewaltsamen Tod von Hakima Boukerouis festgenommen, wie die zuständige Kriminalpolizei in Metz bestätigte. Die Ermittlungen zu diesem Fall dauern an und ein Gerichtsverfahren steht noch aus. Dies stellt den fünften Erfolg der internationalen Fahndungskampagne „Identify Me“ dar.
Sechs europäische Länder engagieren sich in der Fahndung
Im Jahr 2024 starteten sechs europäische Länder, darunter Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande und Spanien, diese Aktion mit dem Ziel, die Identität von 47 toten Frauen zu klären. Derzeit stehen noch 42 Fälle zur Aufklärung aus.
„Die meisten der Frauen wurden auf brutale Weise getötet oder sind unter zweifelhaften Umständen gestorben“, erklärte das BKA am Donnerstag. Dies gilt auch für die neun unbekannten Frauen in Deutschland.
Ungeklärte Fälle in Deutschland
In Deutschland gibt es mehrere Fälle, in denen trotz intensiver Ermittlungen die Identität der getöteten Frauen unbekannt bleibt. Im Folgenden werden drei dieser Fälle näher beschrieben.
Fall 1: Frauenleiche in Hannover mit Shirt „Little Italy – New York City“
Am 20. August 1994 wurde auf einem Bundeswehrgelände in Hannover-Bothfeld eine skelettierte weibliche Leiche entdeckt. Untersuchungen ergaben, dass die Frau zwischen 1989 und 1992 getötet wurde. Ihr Leichnam war in einem etwa 1,10 Meter tiefen Erdloch vergraben, und ihre Hände waren mit Handschellen gefesselt.
Die Unbekannte war zwischen 30 und 55 Jahren alt und wurde demnach zwischen 1934 und 1957 geboren. Sie trug eine 78 Zentimeter lange Panzerkette aus dünner Goldlegierung um den Hals sowie ein mehrfarbiges Shirt mit der Aufschrift „Little Italy – New York City“ und ein dunkelfarbenes Herren-Sweatshirt der Marke Adidas.
- Haarfarbe: rötlich-braun
- Konfektionsgröße: 36 bis 38
- Schuhgröße: 36 bis 39
- BH-Größe: 75A bis 70B
Fall 2: Zuvor gefoltert: Totes Mädchen im Main bei Frankfurt-Nied
Am 31. Juli 2001 wurde gegen 14.50 Uhr im Main bei Frankfurt-Nied die verpackte Leiche eines Mädchens im Alter von 13 bis 16 Jahren entdeckt. Der Körper war in einen bräunlichen Bettbezug mit Leopardenmuster und ein Frotteebetttuch eingewickelt.
Die Leiche wies zahlreiche Verletzungen auf, die auf langandauernde Misshandlungen hindeuten. Kriminaltechnische Untersuchungen ergaben, dass das Mädchen vermutlich aus Afghanistan, Pakistan oder Nordindien stammte.
- Alter: zwischen 13 und 16 Jahren
- Größe: 157 Zentimeter
- Gewicht: 38,5 Kilogramm
Fall 3: Tote im Lahn-Dill-Kreis mit Abfall und Erde bedeckt
Am 8. Februar 1989 wurde in einem stillgelegten Steinbruch im hessischen Lahn-Dill-Kreis die Leiche einer unbekannten Frau gefunden. Der Todeszeitpunkt wird auf zwischen dem 8. Oktober 1988 und dem 25. Januar 1989 geschätzt. Die Behörden vermuten, dass die Frau aus Thailand stammt.
- Größe: 162 Zentimeter
- Haare: schwarz, kraus
- Schuhgröße: 33/34
Die Polizei bittet die Bevölkerung um Hinweise zu diesen und weiteren Fällen. Die zentrale Frage lautet: „Erinnern Sie sich an ein Familienmitglied, eine Bekannte, Freundin oder Kollegin, die plötzlich verschwunden ist?“ Tippgeber werden dringend gebeten, sich zu melden unter www.bka.de/identifyme.
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