Der Hafen von Lobito in Angola markiert das Ende des Lobito-Korridors, der eine bedeutende Verbindung für den Transport von Rohstoffen aus Afrika nach Europa darstellt.
Wichtige Rohstoffe wie Kupfer, Kobalt und Lithium sollen über eine neu errichtete Bahnstrecke schneller und effizienter nach Europa gelangen. Der Lobito-Korridor zielt darauf ab, die Lieferketten zu sichern und gleichzeitig den Einfluss Chinas in der Region zu verringern.
In den Bergbauregionen der Demokratischen Republik Kongo, Sambias und Angolas befinden sich die Ressourcen, die Europa für die Energiewende benötigt. Zu den geförderten Materialien zählen Kupfer, Kobalt, Lithium, Coltan, Nickel und seltene Erden, die künftig über den Lobito-Korridor transportiert werden sollen.
Das Projekt wird als Reaktion auf den wachsenden Einfluss Chinas in Afrika betrachtet. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) betonte während ihres Besuchs in China die Notwendigkeit verlässlicher Zugänge und fairer Bedingungen für den Zugang zu kritischen Rohstoffen. Deutschland ist in Bezug auf strategisch wichtige Güter stark von Peking abhängig, was Experten als potenzielles politisches Druckmittel ansehen.
Lobito-Korridor als Schlüssel zur Unabhängigkeit
Die EU verfolgt mit ihrer Infrastrukturinitiative „Global Gateway“ ein Konzept, das als Gegenmodell zur Neuen Seidenstraße Chinas fungiert. Der Lobito-Korridor steht dabei im Mittelpunkt dieser Bemühungen, während auch die USA signifikante Investitionen tätigen.
„Wer bei dem Projekt vorn mitmischt, wird sich einen großen Teil des Mineralreichtums Afrikas sichern können“, erklärte der angolanische Ökonom Benedito Mavo. Er sieht den Korridor als einen der wichtigsten Transportwege weltweit.
Bereits zahlreiche europäische und deutsche Unternehmen sind in das Projekt involviert. Der zentrale Abschnitt der Bahnstrecke, der sich über knapp 1800 Kilometer von der kongolesischen Stadt Kolwezi bis zum Hafen Lobito erstreckt, ist bereits in Betrieb. Die Konzession für den Betrieb hält das europäische Konsortium „Lobito Atlantic Railway“, das aus Trafigura, Mota-Engil und Vecturis besteht.
Transportwege und zukünftige Entwicklungen
Der Hafen Lobito bietet einen vergleichsweise kurzen Seeweg nach Westeuropa und in die USA. Allerdings fehlen noch 450 Kilometer Gleise, die ins Herz des sambischen Kupfergürtels führen, sowie eine 800 Kilometer lange Alternativroute direkt von Angola nach Sambia. Beide Strecken sollen bis 2028 fertiggestellt werden.
Nach Angaben des UN-Umweltprogramms verfügt Afrika über etwa 30 Prozent der weltweiten Bodenschätze. Der Kongo und Sambia zählen zu den größten Kupferproduzenten, während Kobalt, das für die Batterien von Elektroautos benötigt wird, ebenfalls im Kongo in großen Mengen gefördert wird. Angola hat neben Öl ebenfalls bedeutende Mineralvorkommen.
In den letzten Jahrzehnten hat China in Afrika umfangreiche Infrastrukturprojekte realisiert, darunter Straßen, Häfen und Bahnlinien, um sich Zugang zu Rohstoffen zu verschaffen. Der Westen war in dieser Zeit kaum präsent.
EU und USA setzen auf Global Gateway
Um den Rückstand aufzuholen, stellen die EU und neun ihrer Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, im Rahmen von „Global Gateway“ mehr als zwei Milliarden Euro bereit. Die USA haben bereits Hunderte Millionen Dollar zugesagt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier forderte deutsche Unternehmen während seines Besuchs in Angola im November 2025 auf, in Projekte entlang der Strecke zu investieren, da diese „wirtschaftlich von ungeheurer Bedeutung“ seien.
Für die deutsche Industrie ist der Lobito-Korridor von strategischer Relevanz, insbesondere für die Autobranche, den Maschinenbau und die Chemie, die auf kritische Rohstoffe angewiesen sind. Ein funktionierender Korridor könnte die Lieferketten effizienter und weniger risikobehaftet gestalten und die Abhängigkeit von China reduzieren. Wie kann die EU die lokale Produktion von lebenswichtigen Medikamenten fördern?
Aktuell werden Rohstoffe meist per Lkw über marode Straßen zu weit entfernten Häfen transportiert. Die Strecke nach Durban in Südafrika beträgt über 3000 Kilometer und dauert etwa vier Wochen, während die Fahrt nach Daressalam in Tansania rund 2200 Kilometer umfasst und aufgrund diverser Hindernisse etwa 35 Tage in Anspruch nimmt.
Effizienzgewinne durch den Lobito-Korridor
Mit der Bahn verkürzt sich die Reisezeit von Kolwezi nach Lobito auf lediglich sieben Tage, was Zeit, Kosten und CO2-Emissionen spart, so Nicolas Gregoir, Geschäftsführer von LAR. Zudem ist das Piraterierisiko entlang der westafrikanischen Küste geringer als vor dem Horn von Afrika, wo es immer wieder zu Angriffen auf Schiffe kommt.
Der kommerzielle Güterverkehr auf der Strecke begann offiziell im Februar 2024. Sechs Monate später wurde die erste Kupferlieferung aus dem Kongo in die USA transportiert, gefolgt von einem Kobalttransport im Mai 2026. Im Jahr 2025 wurden laut Gregoir etwa 200.000 Tonnen internationale Fracht befördert, mit dem Ziel, die Kapazität auf eine Million Tonnen pro Jahr zu steigern.
Der Hafen von Lobito wird ebenfalls ausgebaut, um Gleise bis zu Trockenhäfen und Frachtterminals zu führen. Das Hafenbecken wird vertieft, um auch den größten Containerschiffen mit bis zu 17 Metern Tiefgang das Anlegen zu ermöglichen. In der Nähe befindet sich ein internationaler Flughafen.
Marco Ligeiro, Vertriebsleiter von Hapag-Lloyd in Angola, ist überzeugt, dass der Korridor bald zu einem zentralen Knotenpunkt für Transporte in Richtung USA und EU werden wird.
Die Reederei hat bereits Kupfer über Lobito nach Asien und Europa transportiert, und auch Kunden von DHL Global Forwarding zeigen großes Interesse an der Strecke. Deutsche Unternehmen sind ebenfalls aktiv: Siemens Mobility bewirbt sich um einen Auftrag zur Verbesserung der Fahrgeschwindigkeit und Sicherheit, während die Gauff GmbH bereits den Zuschlag für einen 170 Kilometer langen Straßenabschnitt erhalten hat, der parallel zum Eisenbahnkorridor verlaufen soll. Brüssel plant „gezielte Hilfen“: Eurogruppe warnt vor größter Energiekrise aller Zeiten
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Quellen: mopo
Bildquelle: KI generiert