Berlin – Die Hauptstadt sieht sich mit einem erheblichen Müllproblem konfrontiert und sucht nach innovativen Lösungen, um die zahlreichen unschönen Ecken zu beseitigen. Eine neue Initiative sieht vor, dass Touristen im Sommer Abfälle aus der Spree fischen und dafür mit Gutscheinen belohnt werden. Dieses Konzept soll sowohl den Besuchern als auch der Stadt zugutekommen.
Vor den Pfingstferien wird das Tourismusprojekt „BerlinPay“ vorgestellt. „Wir möchten uns an dem sehr sauberen Kopenhagen orientieren“, erklärte Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (47, SPD). Ähnlich wie beim dänischen „CopenPay“ werden derzeit Partner für ein Putz-Urlaubsprogramm an und auf den Berliner Gewässern gesucht. In Dänemark erhalten die engagierten Touristen Anreize wie kostenlosen Eintritt, Führungen oder ein Getränk.
Maßnahmen zur Müllreduzierung
Zusätzlich plant Berlin einen „Einstellungs-Turbo“ für Müllsheriffs. Auch die Einführung einer Verpackungssteuer wird diskutiert, die bereits in Potsdam für etwa 650 Gastronomiebetriebe ab Juli in Kraft tritt. Diese Steuer sieht beispielsweise 50 Cent für einen To-Go-Becher und 20 Cent für Besteck vor.
„Wer seinen Müll einfach auf die Straße wirft, zeigt auch einen Mangel an Respekt gegenüber unserer Stadt. Das ist nicht akzeptabel“, kritisierte die Wirtschaftssenatorin die aktuelle Müllsituation. Die Stadtreinigung BSR musste im Jahr 2025 allein 13 Millionen Euro für die Beseitigung illegal entsorgter Abfälle aufbringen.
Erhöhung der Bußgelder
Als erste Maßnahme hat der CDU/SPD-Senat die Bußgelder für Müllsünder seit Ende des vergangenen Jahres deutlich angehoben. So kostet beispielsweise das Wegwerfen eines Einwegbechers nun 250 Euro, zuvor waren es nur 55 Euro. Auch für nicht entsorgten Hundekot müssen Hundehalter ab 80 Euro zahlen.
„Wenn wir es schaffen, Berlin wieder sauberer und lebenswerter zu machen, wird das auch international wahrgenommen und könnte mehr Touristen anziehen“, äußerte sich Kai Wegner (53, CDU) zu den Bemühungen.
Neue Müll-Sheriffs im Einsatz
Der Regierende Bürgermeister besuchte kürzlich eine spezielle Anti-Müll-Einheit in Neukölln. In diesem Bezirk gibt es 13 Hotspots für Müll, darunter Bauabfälle, Matratzen und Elektrogeräte, die täglich von einem zweiköpfigen Team kontrolliert werden. An einem Gehweg in der Gradestraße, nur 200 Meter von einem Recyclinghof entfernt, fanden die Fahnder Überreste einer Kinderzimmer-Renovierung, inklusive eines Märchenbuchs. Die Ermittler suchen in solchen Fällen nach Hinweisen auf die Verursacher und setzen sogar Nachtsichtgeräte ein.
Insgesamt werden in den kommenden Wochen in allen zwölf Berliner Bezirken 68 Müll-Sheriffs eingestellt, die kleinere Verstöße wie das Wegwerfen von Zigaretten und Plastiktüten ahnden sollen. Diese Beamten müssen jedoch Geduld haben, da sie erst eingreifen dürfen, wenn sich die Müllsünder entfernt haben, um die Gültigkeit der Bußgelder vor Gericht zu gewährleisten.
Diskussion um Verpackungssteuer
Ob Berlin eine Verpackungssteuer einführen wird, wie es bereits in Tübingen, Freiburg und bald auch in Potsdam der Fall ist, bleibt umstritten. In den Wahlprogrammen von Grünen und SPD wird diese Möglichkeit nach der Berlin-Wahl am 20. September thematisiert. Der Rat der Bezirksbürgermeister fordert den Senat auf, diese Steuer zu prüfen, die potenziell 20 bis 30 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen generieren könnte.
Berlins IHK-Geschäftsführerin Manja Schreiner (47) äußerte Bedenken: „Bereits jetzt müssen im Gastgewerbe pro Woche rund 14 Stunden für Bürokratie aufgebracht werden, um bis zu 125 Vorgaben zu erfüllen. Der Erfolg der Verpackungssteuer ist in Städten mit ähnlichen Regelungen nicht nachgewiesen worden. Attraktivere Pfand- und Mehrwegsysteme könnten effektiver sein als eine neue Steuer.“
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Bildquelle: Foto: A.Savin / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)