Für den in der Ostsee gestrandeten Buckelwal gibt es derzeit Hoffnung. Das Tier wird in einer Barge transportiert und bewegt sich voran. Dennoch ist der Weg zur vollständigen Rettung noch lang.
Der Schleppverband, der den Buckelwal, der wochenlang an der Ostseeküste festsass, transportiert, ist auf dem Weg in die Nordsee. Laut dem Schiffs-Ortungsdienst VesselFinder befand sich der Verband am frühen Morgen etwa elf Kilometer südöstlich von Fehmarn. Ein Sprecher der begleitenden Wasserschutzpolizei erklärte, dass sich der Transport mit „sehr langsamer Geschwindigkeit“ in Richtung der Insel bewegt. Die private Rettungsinitiative plant, den Wal in einer mehrtägigen Aktion um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee zu bringen und dort freizulassen.
Am Abend übernahm der Schlepper „Robin Hood“ die Barge mit dem Wal am Ausgang der Kirchsee vor der Insel Poel. Anschließend fuhr er mit dem mit Wasser gefüllten Lastkahn in die Wismarbucht und weiter hinaus auf die offene Ostsee.
Kurz nachdem die „Robin Hood“ die Barge auf den Haken genommen hatte, machte auch das Mehrzweckschiff „Fortune B“ im Hafen von Wismar los und folgte dem Schleppverband. Den bisherigen Plänen zufolge soll eines der Schiffe den motorlosen Lastkahn schleppen, während das andere den Verband begleitet.
Erleichterung nach erfolgreicher Bergung
Mit der Verlegung des Wals in die Barge trat die Rettungsaktion am Dienstag in eine entscheidende Phase. Mehrere Stunden lang hatten Helfer das Tier in eine eigens gebaggerte Rinne bugsiert. Mitglieder des Teams zogen den Wal mit Gurten in die Barge. Um 14:45 Uhr war das Tier schließlich in dem abgesenkten Kahn. Ein Netz wurde aufgespannt, um zu verhindern, dass der Wal wieder herausschwimmt. Kleinere Boote schoben die Barge dann hinaus aus der Kirchsee in die Wismarbucht, wo sie vom Schlepper „Robin Hood“ auf den Haken genommen wurde.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus zeigte sich nach der geglückten Aktion erleichtert.
„Mir fällt wirklich ein Stein vom Herzen“,
sagte er im Hafen von Kirchdorf.
„Ich war auch kurz davor, ins Wasser zu springen, um ihm noch auf den letzten Metern mitzuhelfen.“
Der Minister gestand, dass er auf dem Schiff, von wo er die Aktion beobachtete, geweint habe.
Nach der erfolgreichen Bergung fielen sich die Helfer der privaten Rettungsinitiative im Hafen in die Arme, während bei manchem eine Träne der Erleichterung nach bangen Wochen voller Anspannung rollte. Bei ihrer Ankunft im Hafen von Kirchdorf wurden sie von den Anwesenden teils mit Jubel und Klatschen empfangen.
„Die Hoffnung haben wir nie aufgegeben“,
sagte eine Schaulustige vor Ort.
Gesundheitszustand des Wals bleibt fraglich
Experten hatten vor der Bergung Zweifel am Sinn des Unterfangens geäußert.
„Der Allgemeinzustand des Wals hat sich weiter verschlechtert“,
betonten Wissenschaftler. Um den Gesundheitszustand des Wals zu überwachen, sollen Veterinärmediziner das Tier auf dessen mehrtägiger Reise in Richtung Nordsee begleiten.
Unklar bleibt, ob der Wal den Transport überstehen wird und ob er in der Nordsee oder im Atlantik wieder in Freiheit leben kann. Wissenschaftler vermuten, dass er vor seiner Strandung immer wieder flaches Wasser aufgesucht hatte, weil er geschwächt war und sich ausruhen wollte.
Der Buckelwal tauchte nach Angaben der Behörden erstmals Anfang März in Küstennähe auf, zunächst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Zwar gelang es dem Tier, das flache Wasser über eine ausgehobene Rinne zu verlassen, doch anstatt Kurs aufs offene Meer und Richtung Norden zu nehmen, schwamm es wieder zurück nach Wismar.
Schließlich schwamm es in die Kirchsee, eine flache Bucht der Insel Poel. Dort strandete es erneut, schwamm sich zwischenzeitlich frei, lag aber wenige Stunden später am Ausgang der Bucht wieder fest. So kam es zu der nun laufenden Rettungsvariante. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich kürzlich mit dem Kreuzfahrtschiff „Aida Bella“.
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