Fünf Länder haben beschlossen, in diesem Jahr nicht am Eurovision Song Contest (ESC) teilzunehmen. Unter den Boykotteuren befindet sich auch ein Vertreter der „Big Five“, die zu den Hauptfinanziers des Wettbewerbs zählen.
Als der österreichische Countertenor JJ im vergangenen Jahr in der Baseler St. Jakobshalle seinen ESC-Sieg feierte, wurde gleichzeitig bekannt, dass die Jubiläumsausgabe im Folgejahr in Österreich stattfinden wird. Nun, zwölf Monate später, richten sich die Blicke von Millionen Musikfans weltweit nach Wien, gespannt darauf, welcher Künstler im Finale der 70. Ausgabe des ESC den ersten Platz belegen wird.
Die Vorfreude auf das Event ist groß. Doch wie in den letzten Jahren wird auch der diesjährige ESC von einer politischen Grundsatzdiskussion überschattet. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Teilnahme Israels. Bereits in den beiden Vorjahren, als der ESC 2024 in Malmö und ein Jahr später in Basel stattfand, gab es massive Proteste gegen die israelische Teilnahme. Vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts und des Krieges in Gaza ist die Teilnahme israelischer Künstler beim ESC äußerst umstritten. Die Eurogruppe warnt vor einer Energiekrise.
Proteste und Sicherheitsvorkehrungen
Vor zwei Jahren in Malmö wurde der Auftritt der israelischen Sängerin Eden Golan von Pfiffen und Buhrufen begleitet. Im Vorfeld und während der Veranstaltung kam es rund um den Austragungsort zu Demonstrationen und teils gewaltsamen Ausschreitungen. Ein Jahr später trat in Basel die Sängerin Yuval Raphael auf, die Überlebende des Hamas-Angriffs auf das Nova-Musikfestival am 7. Oktober 2023 ist. Auch hier gab es Proteste.
In diesem Jahr erwarten die Organisatoren noch mehr Widerstand. Aufgrund von Drohungen und angekündigten Protesten wird die israelische Delegation, die bereits seit Anfang Mai in Wien ist, weitgehend abgeschirmt. Im Gegensatz zu anderen Teilnehmern hat der israelische Sänger Noam Bettan bewusst auf öffentliche Auftritte außerhalb der Proben verzichtet. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm, und das Polizeiaufgebot ist hoch. Die Stadthalle ähnelt bereits Tage vor der eigentlichen Veranstaltung einer Festung.
Boykott durch fünf Länder
Für fünf Länder ist die Situation nicht mehr tragbar. Noch im November hatte die Europäische Rundfunkunion (EBU) versucht, mit neuen Teilnahmeregeln für eine Entspannung der angespannten Lage zu sorgen. Doch für die verantwortlichen Rundfunkanstalten in Spanien, Irland, Slowenien, Niederlande und Island führte dies nicht zu einem Umdenken. Die Skepsis gegenüber den USA nimmt zu.
Alle fünf Länder haben erklärt, dass sie in diesem Jahr nicht am ESC teilnehmen werden. Der Umgang mit dem Boykott ist dabei unterschiedlich. So ziehen die Niederlande und Island ihre Beiträge zwar zurück, übertragen wird der ESC jedoch trotzdem. Spanien, Irland und Slowenien hingegen verweigern sich vollständig und werden den ESC nicht im Fernsehen ausstrahlen.
Finanzielle Auswirkungen des Boykotts
Der Boykott dieser fünf Länder stellt einen erheblichen Rückschlag für den ESC dar, insbesondere in Bezug auf die finanzielle Unterstützung des Wettbewerbs. Spanien gehört zu den sogenannten „Big Five“, den fünf Ländern, die den Wettbewerb finanziell besonders unterstützen. Neben Spanien zählen auch Deutschland, Italien und Großbritannien zu den Hauptfinanziers.
Irland und die Niederlande gehören zudem zu den erfolgreichsten ESC-Nationen. Irland konnte bereits sieben Siege feiern, während die Niederlande fünfmal den Wettbewerb gewannen. Die Proteste sind also nicht unbegründet. Seit 2023 steht der ESC unter dem Motto „United By Music“, das eigentlich zeigen soll, dass Musik die Menschen verbindet. Es bleibt abzuwarten, wie es in diesem Jahr um den Zusammenhalt bestellt sein wird.
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Quellen: t-online
Bildquelle: Quejaytee via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)