Altkanzler Gerhard Schröder befindet sich aktuell in Moskau, wo er im Hotel Kempinski gesichtet wurde. Die Gründe für seinen Aufenthalt sind unklar, was zu verschiedenen Spekulationen führt. Möglicherweise könnte er das Internationale Wirtschaftsforum in St. Petersburg besuchen, das am Mittwoch beginnt und an dem erstmals wieder deutsche Unternehmer teilnehmen. Auch Politiker der AfD sind zu diesem Forum eingeladen.
Schröder, der in der Vergangenheit für russische Energiefirmen tätig war, könnte zudem ein Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin anstreben. Putin hatte kürzlich Schröder als möglichen Vermittler im Ukraine-Konflikt ins Gespräch gebracht, was jedoch auf europäischer Seite auf breite Ablehnung stieß. EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas äußerte, dass es unklug wäre, Russland das Recht zuzugestehen, einen Verhandlungsführer im Namen der EU zu benennen. Sie betonte, dass Schröder als Lobbyist für russische Staatsunternehmen agiert habe und daher nicht als neutraler Vermittler angesehen werden könne.
Schröders umstrittene Rolle und Reaktionen
Die Reaktionen auf Schröders mögliche Rolle als Vermittler sind auch in der Ukraine negativ. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte, dass die Ukraine dies nicht unterstütze und es viele andere geeignete Persönlichkeiten gebe, die für die EU verhandeln könnten. Zudem hat die Ukraine in den letzten Monaten erhebliche Fortschritte gemacht, wie die Rückeroberung von 120 Quadratkilometern im April.
Schröder steht seit Jahren in der Kritik, insbesondere wegen seiner engen Beziehungen zu Putin und seiner Tätigkeit für russische Öl- und Gaskonzerne. Im Jahr 2014 feierte er seinen 70. Geburtstag in Russland, kurz nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim. Auch nach der russischen Vollinvasion in die Ukraine im Jahr 2022 war er weiterhin für russische Unternehmen aktiv.
Verständnis für Kremlpositionen
Der ehemalige Bundeskanzler hat in der Vergangenheit immer wieder Verständnis für die Positionen des Kremls gezeigt. So bezeichnete er im Jahr 2023 eine Bedrohung durch Russland als „absurd“ und sprach sich für die Wiederaufnahme von Energielieferungen aus Russland aus. In einem Gastbeitrag für die „Berliner Zeitung“ kritisierte er die Dämonisierung Russlands als ewigen Feind. Auch bei einem Treffen mit Xi Jinping und Donald Trump wurde der Taiwan-Konflikt thematisiert, was die geopolitischen Spannungen weiter verstärkt.
Schröder hatte bereits zu Beginn der Vollinvasion 2022 Moskau besucht und dort ein Treffen mit Putin gehabt, jedoch ohne nennenswerte Ergebnisse zu erzielen.
Die Situation bleibt angespannt, und die genauen Beweggründe für Schröders Aufenthalt in Moskau sind weiterhin unklar.
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Quellen: n-tv, RTL
Bildquelle: Von Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten – https://www.flickr.com/photos/minoritenplatz8/31133426437/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=130630436