Die Eurogruppe hat vor einer drohenden Energiekrise gewarnt, die in ihrer Schwere beispiellos sein könnte. Dies äußerte der Präsident der Eurogruppe, Kyriakos Pierrakakis, am 28. April 2026 in Athen. Er betonte, dass die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, insbesondere die Situation um die Straße von Hormus, eine kritische Rolle spielen.
„Sollte die Straße von Hormus nicht zeitnah wieder vollständig geöffnet werden, könnte diese Krise die größte Energiekrise aller Zeiten auslösen“, erklärte Pierrakakis. Die zu erwartenden Ausfälle bei Öl und Gas könnten die bisherigen Krisen, wie die in den 1970er Jahren oder die nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs, übertreffen. Besonders relevant ist in diesem Zusammenhang, dass Gaskosten unter Druck stehen, was die Situation weiter verschärfen könnte.
Folgen für die Weltwirtschaft
Die Auswirkungen dieser Krise würden nicht nur den Energiesektor betreffen, sondern auch die Verfügbarkeit wichtiger Rohstoffe wie Düngemittel und petrochemische Produkte gefährden. Besonders betroffen wäre Asien, jedoch sind auch in Europa bereits die Folgen spürbar, insbesondere durch steigende Energiepreise.
EU-Maßnahmen zur Krisenbewältigung
Um den Herausforderungen entgegenzuwirken, plant die EU gezielte und zeitlich befristete Hilfen für Bürger und Unternehmen. Pierrakakis betonte die Notwendigkeit einer engen Abstimmung zwischen wirtschafts- und geldpolitischen Maßnahmen. „Die gegenwärtige politische Lage hat in der internationalen Wirtschafts- und Finanzpolitik wieder an Bedeutung gewonnen“, sagte er.
Er wies darauf hin, dass die Vorstellung seiner Generation, die Globalisierung und neue Technologien würden geografische Faktoren weniger wichtig machen, sich als falsch erwiesen hat. „Heute wird die Weltwirtschaft stärker von der Machtverschiebung zwischen Regionen, der Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen und der Rolle neuer Akteure neben den Staaten geprägt“, so Pierrakakis. Ein Beispiel für die Herausforderungen, die sich aus der aktuellen Situation ergeben, ist die Frage, ob der Anstieg der Ölpreise über 100 Dollar eine Krise im Persischen Golf auslösen könnte.
Die EU steht somit vor der Herausforderung, nicht nur die Energieversorgung zu sichern, sondern auch die wirtschaftlichen Folgen einer möglichen Krise abzufedern.
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Bildquelle: Marek Ślusarczyk (Tupungato) Photo portfolio via Wikimedia Commons (CC BY 3.0)