Die Notfallversorgung in Deutschland steht vor einer grundlegenden Reform, die darauf abzielt, die Zahl der jährlich behandelten Fälle in den Rettungsstellen erheblich zu reduzieren. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat einen Gesetzentwurf vorgestellt, der eine Einsparung von über einer Milliarde Euro vorsieht.
Aktuell werden in den Rettungsstellen jährlich rund 13 Millionen Fälle akut behandelt. Der neue Gesetzesentwurf sieht vor, dass diese Zahl um 1,2 Millionen Fälle gesenkt werden soll. „Ziel ist es, für alle Hilfesuchenden eine bundesweit einheitliche und gleichwertige Notfallversorgung sicherzustellen“, wird im Entwurf betont. Kliniken in Deutschland klagen seit Jahren über eine Überlastung ihrer Notaufnahmen.
Strategien zur Entlastung der Notaufnahmen
Um die Notaufnahmen zu entlasten, plant Warken einen Dreischritt. Zunächst soll die Kassenärztliche Vereinigung verpflichtet werden, durchgängig Videosprechstunden und Hausbesuche auch in akuten Fällen anzubieten. Zudem sollen Kliniken mit Notfallpraxen sogenannte integrierte Notfallzentren bilden. Diese Zentren sollen sicherstellen, dass eine bedarfsgerechte ambulante medizinische Erstversorgung bereitsteht. Das Ziel ist es, Patienten dort zu behandeln und sie ohne stationäre Aufnahme wieder nach Hause zu schicken. Ärzte in diesen Zentren sollen zudem in der Lage sein, Arzneimittel für den akuten Bedarf zu verordnen.
Verbesserte Vergütung für Rettungsdienste
Ein weiterer Schritt zur Entlastung der Rettungsstellen besteht in einer besseren Vergütung für Sanitäter und Rettungsdienstmitarbeiter. Bisher erhalten die Rettungsdienste lediglich eine Vergütung für den Transport in das Krankenhaus, was oft zu einer unnötigen Inanspruchnahme von Rettungsmitteln führt. Zukünftig sollen die Rettungsdienste die Hilfesuchenden vor Ort versorgen und gegebenenfalls an eine Arztpraxis weiterleiten. Hierfür plant die Gesundheitsministerin die Einführung einer neuen Sachleistung, die von den Krankenkassen getragen werden soll.
Finanzielle Einsparungen durch die Reform
Die Reform soll nicht nur die Notaufnahmen entlasten, sondern auch erhebliche finanzielle Einsparungen mit sich bringen. Laut dem Gesetzentwurf werden im kommenden Jahr durch die Reform bereits über 200 Millionen Euro eingespart, bis 2028 sollen es 650 Millionen Euro sein. Für das Jahr 2030 wird eine Einsparung von 1,1 Milliarden Euro prognostiziert.
Nina Warken hat ihre Reformideen vorgestellt, um der rasanten Steigerung der Gesundheitsausgaben entgegenzuwirken. Kliniken, niedergelassene Ärzte, die Pharmaindustrie und die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen sollen gemeinsam dazu beitragen, das Gesundheitssystem bezahlbar zu halten. Ende April wird das Kabinett voraussichtlich über die Reform abstimmen. Weitere Informationen zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und zur Kritik und Zustimmung zum neuen Tankrabatt finden Sie ebenfalls in unseren Artikeln.
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Bildquelle: VCU Libraries from Richmond, VA, USA via Wikimedia Commons (CC BY 2.0)