Im Vorfeld der bevorstehenden Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada nimmt Joshua Kimmich, der Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft, Stellung zu politischen Themen im Sport. In einem Interview verdeutlicht er, dass es nicht den Spielern obliegt, politische Positionen zu beziehen; diese Verantwortung tragen die Verbände und die Politik. Kimmich ist der Ansicht, dass persönliche Werte wichtig sind, jedoch ist es herausfordernd, diese in der Funktion eines Fußballers oder Kapitäns klar zu kommunizieren.
Der 31-Jährige betont, dass es nicht zielführend sei, keine Meinung zu vertreten, und jeder Spieler private Ansichten zu verschiedenen Themen habe. Dennoch sieht er die Erwartung, dass Fußballspieler gesellschaftliche Probleme angehen oder beeinflussen können, als unrealistisch an. Politische Situationen seien oft schwer abzuschätzen, selbst für Experten, so Kimmich.
Kimmichs Ansicht findet Unterstützung durch DFB-Sportdirektor
Rudi Völler, der Sportdirektor des DFB, unterstützt die Sichtweise Kimmichs und betont, dass es keinen „Maulkorb“ für die Spieler geben werde. Gleichzeitig hält er eine klare Trennung zwischen Sport und Politik für sinnvoll. In der Vergangenheit sorgten politische Diskussionen im Zusammenhang mit den WM-Turnieren in Russland und Katar für Unruhe im DFB-Team, was zu einem frühzeitigen Ausscheiden führte.
Die DFB-Verantwortlichen haben sich verpflichtet, aus den Erfahrungen der letzten Turniere zu lernen und politische Themen nicht in die Kabine zu lassen. Menschenrechtsorganisationen äußern bereits Besorgnis über die politische Lage in den USA unter Donald Trump und warnen vor einer potenziellen Instrumentalisierung des Sports durch die Politik. Human Rights Watch hat die WM als mögliche „Katastrophe“ bezeichnet, sollte die politische Situation nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Kimmichs Rolle im Team und Lahms kritische Anmerkungen
Bei der WM wird Joshua Kimmich voraussichtlich als rechter Außenverteidiger agieren, was Philipp Lahm, ein ehemaliger DFB-Kapitän, als nicht optimal erachtet. Lahm spricht sich dafür aus, Kimmich im Mittelfeld einzusetzen, wo dieser in der vergangenen Saison bei Bayern München eine zentrale Rolle gespielt hat. Laut Lahm sollten Kimmichs Fähigkeiten im Mittelfeld besser zur Geltung kommen, um das Team optimal zu unterstützen.
Die Debatte über Kimmichs Position im Team verdeutlicht die Bedeutung der taktischen Ausrichtung für den Erfolg der Nationalmannschaft. Während Kimmich sich auf die sportlichen Herausforderungen fokussieren möchte, bleibt die Frage, wie die Nationalmannschaft mit politischen und gesellschaftlichen Erwartungen umgehen wird, weiterhin von Relevanz.
Quellen: n-tv, Focus, SPORT1
Bildquelle: depositphotos