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EU setzt sich für ein Ende der Wegwerfmode und Textilmüll ein

Die EU plant Maßnahmen, um die umweltschädlichen Praktiken der Fast-Fashion-Industrie einzudämmen. Angesichts wachsender Textilabfälle und der negativen Auswirkungen auf Natur und Klima wird ein Umdenken hin zu nachhaltiger Mode gefordert.

EU setzt sich für ein Ende der Wegwerfmode und Textilmüll ein
Bildquelle: Artificial Photography auf Unsplash

Die Entsorgung von Altkleidern stellt ein wachsendes Problem dar: Im Jahr 2022 produzierten private Haushalte in der EU insgesamt 910.000 Tonnen Textilabfälle. Diese Situation ist größtenteils auf die Fast-Fashion-Industrie zurückzuführen, die seit den 1990er-Jahren kontinuierlich gewachsen ist und damit erhebliche negative Auswirkungen auf die Umwelt hat. Die Folgen dieser Entwicklung sind oft nicht in den Ländern zu beobachten, die für die Probleme verantwortlich sind.

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Inhalt

  • Von Fast Fashion zu Super-Fast-Fashion: Bis zu 9000 neue Designs pro Tag
  • Umweltschäden durch Fast Fashion
  • Was die EU gegen Fast Fashion unternimmt
  • Kreislaufwirtschaft für eine nachhaltigere Modeindustrie
  • Die Zukunft von Fast Fashion

Ein großer Teil der in Europa nicht mehr benötigten Textilien wird in Länder wie Südamerika, Afrika oder Südostasien exportiert, wo sie oft verbrannt oder einfach in der Natur entsorgt werden. Die Problematik betrifft jedoch nicht nur die Entsorgung von Altkleidern, sondern auch die Produktion selbst. Aus diesem Grund plant die Europäische Union (EU), die Bekleidungsindustrie zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise zu verpflichten.

Von Fast Fashion zu Super-Fast-Fashion: Bis zu 9000 neue Designs pro Tag

In der Mitte der 2010er-Jahre waren bei großen Modeanbietern noch sechs bis acht Kollektionen mit zahlreichen Designs pro Jahr üblich. Der Onlinehandel hat diese Entwicklung jedoch erheblich beschleunigt: Anbieter wie Temu oder Shein, die keine physischen Geschäfte betreiben, bringen täglich zwischen 6000 und 9000 neue Designs auf den Markt. Diese Entwicklung hat zur Etablierung von Begriffen wie Super-Fast-Fashion oder Ultra-Fast-Fashion geführt.

Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung sind Influencer und virale Trends, die dazu führen, dass bestimmte Kleidungsstücke plötzlich gefragt sind, obwohl sie nicht in großen Stückzahlen verfügbar sind. Fast-Fashion-Anbieter reagieren darauf, indem sie diese Lücken innerhalb von ein bis zwei Wochen schließen. Die Trends kommen und gehen schnell, sodass die „alten“ Kleidungsstücke bestenfalls im Kleiderschrank landen oder sofort im Müll verschwinden.

Umweltschäden durch Fast Fashion

Die Bekleidungsproduktion hat gravierende Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima. Synthetische Materialien wie Polyester werden aus Erdöl hergestellt, was bei der Produktion zur Freisetzung von Kohlendioxid führt. Zudem entstehen beim Tragen und Waschen Mikroplastikpartikel, die sich in der Umwelt ablagern. Schätzungen zufolge könnten bis zum Jahr 2050 bis zu 22 Millionen Tonnen Mikroplastik aus Kleidung in die Ozeane gelangen.

Auch die Herstellung natürlicher Fasern belastet die Umwelt erheblich. Der Baumwollanbau benötigt große Mengen Wasser in Regionen, in denen Trinkwasser bereits knapp ist. Zudem ist der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden auf Baumwollfeldern sehr hoch. Bei Färbe- und Waschprozessen gelangen zudem Chemikalien ins Trinkwasser, wobei viele der betroffenen Länder über keine geeigneten Kläranlagen verfügen. Die dort arbeitenden Menschen sind oft unzureichend vor den gesundheitlichen Risiken der Produktionsprozesse geschützt.

Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur verbrauchte jede Person in der EU im Jahr 2022 im Durchschnitt 12.000 Liter Wasser und 523 Kilogramm Rohstoffe durch ihren Kleidungskonsum und verursachte CO2-Emissionen in Höhe von 355 Kilogramm. Während auch qualitativ hochwertigere Kleidungsstücke Umweltauswirkungen haben, ist die schnelle und kostengünstige Massenproduktion der Hauptverursacher des Problems.

Was die EU gegen Fast Fashion unternimmt

Angesichts der negativen Umweltauswirkungen plant die EU, die Fast-Fashion-Industrie strenger zu regulieren und in die Verantwortung zu nehmen. Diese Maßnahmen sind Teil eines umfassenden Aktionsplans zur Förderung einer Kreislaufwirtschaft.

Bereits im Jahr 2022 wurde ein erstes Maßnahmenpaket vorgestellt, um den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen. Ziel ist es, die Produkte nachhaltiger zu gestalten, ihre Haltbarkeit zu erhöhen, Abfall zu vermeiden und das Recycling zu fördern.

Im Hinblick auf Fast Fashion regelt die EU die Entsorgung von Altkleidung durch die Abfallrahmenrichtlinie. Gemäß der letzten Änderung dieser Richtlinie sind Bekleidungsanbieter verpflichtet, sich in jedem EU-Land zu registrieren, in dem sie ihre Produkte verkaufen. Dies bedeutet, dass sie aktiv an der Sammlung von Alttextilien und alten Schuhen mitwirken müssen, indem sie beispielsweise Sammelcontainer bereitstellen und nachweisen, dass sie über das notwendige Fachwissen zur Entsorgung verfügen.

Darüber hinaus sollen die Recyclingquoten für Altkleidung erhöht werden. Die EU-Richtlinie muss jedoch zunächst in nationales Recht der einzelnen EU-Länder umgesetzt werden. Die Eckpunkte für Deutschland wurden Ende März vom Bundesumweltministerium vorgestellt, und das Gesetz soll im Juni 2027 in Kraft treten.

Kreislaufwirtschaft für eine nachhaltigere Modeindustrie

Die Kreislaufwirtschaft zielt darauf ab, den Lebenszyklus eines Produkts so weit wie möglich zu verlängern, um Abfälle zu minimieren. In der Textilbranche bedeutet dies, auf nachhaltige Ressourcen zu setzen, die Haltbarkeit der Kleidung zu erhöhen, Reparaturen zu ermöglichen und das Recycling auszubauen.

Obwohl recycelte Kleidung bei der Herstellung weniger Ressourcen benötigt als Neuwaren, geschieht dies nur selten. Weltweit werden weniger als ein Prozent aller Alttextilien zur Produktion neuer Textilien verwendet. Derzeit werden weitaus mehr Kleidungsstücke aus recycelten PET-Flaschen hergestellt.

In Deutschland werden jährlich rund eine Million Tonnen Altkleidung gesammelt. Davon werden 26 Prozent recycelt, während etwa 14 Prozent lediglich zu Putzlappen verarbeitet werden. Der größte Teil, rund 54 Prozent, wird nach einer Wiederaufbereitung wieder in den Umlauf gebracht, sei es als Kleiderspende oder in Second-Hand-Geschäften.

Die oft minderwertige Qualität von Fast-Fashion-Produkten erschwert jedoch deren Wiederverwendung oder Recycling. Moritz Jäger-Roschko von Greenpeace betont, dass die Folgen von Fast Fashion nicht nur problematisch sind, sondern auch die Produkte selbst nicht für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft geeignet sind. Billige Kleidung lässt sich schwer reparieren, und es besteht kaum Interesse, sie aus zweiter Hand zu kaufen.

Die Zukunft von Fast Fashion

Die Ökodesign-Verordnung und die Änderungen der Abfallrahmenrichtlinie könnten dazu führen, dass Fast Fashion teurer wird, da das Geschäftsmodell der billigen Produktion und schnellen Entsorgung nicht mehr tragfähig ist. Die genauen Auswirkungen sind jedoch noch unklar.

In Deutschland muss das Bundesgesetz zur EU-Abfallrahmenrichtlinie noch verabschiedet werden, und bis dahin können sich am ersten Entwurf noch Änderungen ergeben. Zudem sind die Kriterien, nach denen die EU die Haltbarkeit und Wiederverwendbarkeit bewerten möchte, noch nicht eindeutig festgelegt.

Die Strafen für Verstöße gegen das Vernichtungsverbot müssen so hoch sein, dass sich nachhaltiges Wirtschaften für die Anbieter finanziell lohnt. Schließlich hat die EU keinen Einfluss auf die Bekleidungsproduktion außerhalb ihrer Grenzen.

Greenpeace fordert daher bereits jetzt deutlich strengere Maßnahmen, um das Angebot an Fast Fashion einzuschränken. Dazu gehören eine Sonderabgabe auf solche Produkte, die Finanzierung alternativer Angebote und Reparaturen sowie ein generelles Werbeverbot für Fast Fashion.

Unabhängig davon wird auch die Entwicklung der Nachfrage einen erheblichen Einfluss haben: Solange schnelllebige Trends dominieren, wird sich Nachhaltigkeit in der Modeindustrie nur schwer durchsetzen.


Quellen: deutschlandfunk

Bildquelle: Bildquelle: Artificial Photography auf Unsplash

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