In Deutschland wurden 43 Millionen Tonnen Lithium entdeckt. In Sachsen-Anhalt könnte ein ehemaliges Gasfeld als Quelle für den wichtigen Rohstoff zur Herstellung von Batterien für Elektroautos dienen.
Seit Jahren sucht Deutschland nach Möglichkeiten, sich bei essenziellen Rohstoffen unabhängiger zu machen. Besonders im Bereich der Batterien spielt Lithium eine entscheidende Rolle. Ohne diesen Rohstoff sind Elektrofahrzeuge nicht möglich, große Energiespeicher funktionieren nicht und auch viele Smartphones wären ohne Lithium nicht denkbar. Bisher stammt der Großteil des Lithiums aus Ländern wie Chile, Australien oder China. Nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf Sachsen-Anhalt.
Gigantisches Lithiumvorkommen in Sachsen-Anhalt
Unter der Altmark, einer Region, die seit Jahrzehnten für ihre Erdgasförderung bekannt ist, liegen laut Angaben von Neptune Energy rund 43 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent. Das Unternehmen beruft sich auf eine unabhängige Bewertung nach dem Standard CIM / NI 43-101, die im September 2025 veröffentlicht wurde.
Falls sich dieses Potenzial wirtschaftlich erschließen lässt, könnte dort eines der größten Lithiumprojekte Europas entstehen. Ein ehemaliger Gasstandort könnte sich in einen wichtigen Standort für die Batterieproduktion verwandeln.
Wirtschaftliche Nutzung des Lithiumvorkommens
Obwohl die Zahl beeindruckend klingt, bedeutet sie nicht, dass das Lithium sofort abgebaut werden kann. Es handelt sich um eine Schätzung der Ressourcen, die angibt, wie viel Rohstoff im Untergrund vermutet wird. Die tatsächliche Förderung hängt von verschiedenen Faktoren wie Technologie, Genehmigungen und Kosten ab.
„Diese neue Bewertung zeigt das große Potenzial unserer Lizenzgebiete in Sachsen-Anhalt. Damit können wir einen wichtigen Beitrag zur deutschen und europäischen Versorgung mit dem kritischen Rohstoff Lithium leisten“, sagte Andreas Scheck, CEO von Neptune Energy.
Die unabhängige Prüfgesellschaft Sproule ERCE bestätigte die Schätzung von 43 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent. Das Unternehmen bezeichnet das Vorkommen als eines der größten bekannten Lithiumvorkommen aus Thermalwasser weltweit. Laut Neptune Energy bleibt diese Ressourcenbasis weiterhin gültig.
Innovative Gewinnungsmethoden in der Altmark
Die Altmark ist kein neuer Standort für industrielle Aktivitäten. Seit 1969 wird dort Erdgas gefördert, und die Region verfügt über mehr als 55 Jahre Erfahrung in der Bohrtechnik, der Leitungssysteme und der unterirdischen Lagerung. Diese bestehende Infrastruktur macht das Projekt besonders attraktiv.
Das Lithium soll nicht wie in traditionellen Bergbaugebieten im Tagebau gewonnen werden, was große offene Gruben zur Folge hätte. Stattdessen nutzt Neptune heißes, salzhaltiges Tiefenwasser, auch Sole genannt, in dem Lithium gelöst ist.
Das Verfahren, das als Direct Lithium Extraction (DLE) bekannt ist, unterscheidet sich erheblich von vielen bekannten Lithiumprojekten in Südamerika. Neptune hebt mehrere Vorteile hervor:
- kein offener Tagebau
- keine großen Verdunstungsbecken
- deutlich geringerer Flächenverbrauch
In Deutschland ist dies von großer Bedeutung, da neue Rohstoffprojekte häufig auf Widerstand stoßen, wenn sie das Landschaftsbild verändern.
Lithiumgewinnung aus Thermalwasser
Lithium wird oft mit Minen und staubigen Abbaugebieten assoziiert. In der Altmark ist dies jedoch anders. Das Metall liegt nicht als sichtbares Erz im Boden, sondern ist im Thermalwasser mehrere tausend Meter unter der Erde gelöst.
Dieses Wasser wird an die Oberfläche gepumpt, wo spezielle Anlagen das Lithium herausfiltern. Das restliche Wasser wird anschließend weiterbehandelt. Das Projekt ähnelt daher eher einem Energievorhaben als traditionellem Bergbau.
Frühere Untersuchungen haben in diesem Gebiet stark mineralisierte Sole mit erhöhtem Lithiumgehalt identifiziert. Die geologischen Bedingungen gelten als günstig, da das heiße Wasser über lange Zeit mit bestimmten Gesteinen reagiert und so Lithium im Untergrund anreichert.
Pilotprojekte zur Überprüfung der Wirtschaftlichkeit
Ob ein großes Vorkommen wirtschaftlich nutzbar ist, zeigt sich erst im praktischen Betrieb. Aus diesem Grund laufen in der Altmark seit mehreren Monaten verschiedene Pilotprojekte.
Ein zweiter Test mit dem Technologiepartner Lilac wurde im August 2025 abgeschlossen. Dabei wurde Lithiumkarbonat in Batteriequalität produziert, wobei ein Ionenaustauschverfahren zum Einsatz kam.
Seit Mitte September läuft ein dritter Pilotversuch, bei dem ein Adsorptionsverfahren getestet wird. Laut Neptune Energy wird ab Juni erneut eine temporäre Pilotanlage in Sachsen-Anhalt eingesetzt.
Das Unternehmen untersucht mehrere Technologien, um die am besten geeignete Lösung für die Altmark auszuwählen. Erst danach soll der nächste große Schritt erfolgen.
Langfristige Pläne für die Lithiumproduktion
Nach der Pilotphase plant das Unternehmen die Errichtung einer Demonstrationsanlage, um unter realen Bedingungen zu testen, ob sich die Förderung auch im industriellen Maßstab rentiert.
„Ab 2030 ist geplant, die kommerzielle Lithiumproduktion schrittweise auf bis zu 25.000 Tonnen LCE pro Jahr hochzufahren“, teilte Neptune Energy mit.
Diese Menge könnte erhebliche Auswirkungen auf die Industrie haben. Nach früheren Schätzungen könnte sie Material für etwa 500.000 Elektroautos pro Jahr liefern. Für Deutschland wäre dies ein bedeutender Schritt, da die Rohstoffe für Batterien bislang fast vollständig importiert werden. In diesem Zusammenhang sind E-Fahrzeuge: Wesentlich günstigere Ladepreise im Vergleich zu Tankkosten von großer Bedeutung.
Offene Fragen zur Rohstoffförderung
Bis dahin bleiben viele Fragen ungeklärt:
- Wie hoch sind die tatsächlichen Produktionskosten?
- Wie schnell werden Genehmigungen erteilt?
- Lässt sich das Verfahren dauerhaft wirtschaftlich betreiben?
Erst wenn diese Punkte geklärt sind, wird aus dem Projekt ein echter Industriestandort.
Neue Perspektiven für die Altmark
Für die Region geht es um weit mehr als nur Lithium. Viele ehemalige Energiegebiete suchen nach neuen Perspektiven. Die Altmark könnte ein Beispiel dafür werden, wie ein alter Gasstandort eine zweite industrielle Zukunft erhält. In diesem Kontext ist auch zu beachten, dass Brüssel plant „gezielte Hilfen“: Eurogruppe warnt vor größter Energiekrise aller Zeiten.
„Die Altmark verbindet geologisches Potenzial, bestehende Infrastruktur und technisches Know-how – perfekte Voraussetzungen, um den Wandel von der Erdgasförderung hin zu einer umweltfreundlichen Lithiumgewinnung erfolgreich umzusetzen“, sagte Axel Wenke, Director of New Energy bei Neptune Energy.
Wo früher hauptsächlich Erdgas gefördert wurde, könnte künftig ein Rohstoff gewonnen werden, der für die Batterieindustrie in Europa zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dies könnte nicht nur den Standort in Sachsen-Anhalt verändern, sondern möglicherweise auch einen Teil der deutschen Rohstoffpolitik beeinflussen. Zudem könnte die Entwicklung von Lithiumprojekten auch mit den aktuellen Herausforderungen im Bereich der Energieversorgung zusammenhängen, wie etwa den Solarstrom: Negativ-Rekord! Deutschland macht irres Strom-Geschenk ans Ausland!.
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Quellen: Focus
Bildquelle: Bildquelle: Albert Hyseni auf Unsplash