Im Mai 2026 wird Autofahrern durch den Tankrabatt von 17 Cent brutto pro Liter eine gewisse Entlastung zuteil. Kritiker der Maßnahme äußern jedoch Bedenken, dass vor allem einkommensstarke Haushalte von dieser Regelung profitieren. Dies belegen aktuelle Auswertungen einer Hochschule.
Die geplante Senkung der Energiesteuern auf Benzin und Diesel kommt überwiegend den wohlhabendsten Haushalten zugute. Dies geht aus einer Simulation hervor, die Forscher der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen erstellt haben und die dem „Spiegel“ vorab zur Verfügung steht.
Den Berechnungen zufolge sparen die einkommensstärksten zehn Prozent der Haushalte über einen Zeitraum von zwei Monaten insgesamt 21,64 Euro, was dreimal so viel ist wie die 6,48 Euro, die die einkommensschwächsten zehn Prozent einsparen können. Der Grund für diese Ungleichheit liegt darin, dass mit steigendem Einkommen auch der Spritverbrauch zunimmt, wodurch Besserverdiener stärker von den Rabatten profitieren. Zum Vergleich: Ein Einpersonenhaushalt mit einem monatlichen Nettoeinkommen von knapp 4500 Euro gehört zum obersten Zehntel, während Haushalte mit weniger als rund 1200 Euro zum untersten Zehntel zählen.
„Es ist keine zielgerichtete Maßnahme“, äußerte RWTH-Ökonom Aaron Praktiknjo gegenüber dem „Spiegel“. „Auch ich zahle jetzt mehr fürs Tanken, aber wenn ich ganz ehrlich bin, hätte ich jetzt diesen Tankrabatt nicht dringend nötig.“
Die Forscher stützten ihre Berechnungen auf Daten aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamts, dem sozioökonomischen Panel, dem deutschen Mobilitätspanel sowie aktuellen Spritpreisen. Der geplante Rabatt beläuft sich auf rund 17 Cent brutto pro Liter, was 14,04 Cent zuzüglich Mehrwertsteuer entspricht.
Wirtschaftsweise kritisiert die Maßnahme
Bereits zuvor hatte die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer den Tankrabatt scharf kritisiert. Sie bezeichnete die Senkung des Preises für alle durch eine zeitlich befristete Aussetzung der Energiesteuer als „die schlechteste aller bisher diskutierten Optionen“. Diese Aussage machte sie in einem Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
„Das ist eine Hilfe mit der Gießkanne, auch für Menschen, die den höheren Preis verkraften können“, sagte Schnitzer. „Es reduziert den Anreiz, den Spritverbrauch zu senken, und lässt die Menschen im Glauben, der Staat schützt sie vor allen Krisen von außen, auch die Reichen.“
Die Wirtschaftsexpertin betonte, dass eine gezielte Unterstützung der wirklich Bedürftigen eine weitaus bessere Entscheidung gewesen wäre. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Tankrabatt vor allem den einkommensstarken Haushalten zugutekommt, während einkommensschwächere Gruppen nur geringfügige Einsparungen erzielen können. Dies wirft Fragen zur Zielgenauigkeit und Effektivität der Maßnahme auf.
Zusätzlich ist zu beachten, dass E-Fahrzeuge wesentlich günstigere Ladepreise im Vergleich zu Tankkosten bieten, was eine alternative Betrachtung der Mobilitätskosten darstellt.
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