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Wettbewerbsverschiebung: Chinas Einfluss auf EU-Subventionen im afrikanischen Bussektor

Ein chinesisches Staatsunternehmen gewinnt einen bedeutenden Nahverkehrsauftrag in Dakar, während ein europäischer Hersteller leer ausgeht. Trotz EU-Finanzierung setzen die neuen, vollelektrischen Busse Maßstäbe im Verkehrssystem der senegalesischen Hauptstadt.

Wettbewerbsverschiebung: Chinas Einfluss auf EU-Subventionen im afrikanischen Bussektor
MichalCZE via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Ein chinesisches Staatsunternehmen hat sich einen bedeutenden Auftrag für ein Nahverkehrsprojekt im Senegal gesichert. Der weltweit größte Hersteller von Schienenfahrzeugen wird in der Hauptstadt Dakar nahezu 400 Erdgasbusse liefern. Ein großer europäischer Hersteller, der sich ebenfalls um den Auftrag beworben hatte, geht leer aus, obwohl die EU das Millionenprojekt finanziert.

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Der Verkehr in Dakar ist von Chaos geprägt: Bunte Kleinbusse, Sammeltaxis und unzählige Roller sorgen regelmäßig für lange Staus in der senegalesischen Hauptstadt. Mit 1,3 Millionen Einwohnern gehört Dakar zu den am dichtesten besiedelten Städten weltweit. Viele Pendler bewegen sich zwischen den Vororten und dem Stadtzentrum, das auf einer Halbinsel liegt und von drei Seiten vom Meer umgeben ist. Alle Verkehrsströme müssen sich durch einen engen Korridor in die Innenstadt zwängen.

Neues Schnellbus-System in Dakar

Um das Verkehrsaufkommen in Dakar zu reduzieren, wurde 2024 ein Schnellbus-System, das Bus Rapid Transit (BRT), eingeweiht. Diese Flotte besteht aus 121 vollelektrischen Bussen, die auf einer Strecke von 18 Kilometern 14 Gemeinden miteinander verbinden und die Reisezeit durch die Stadt erheblich verkürzt haben. Ein Passagier äußerte sich positiv über den neuen Service: „Der neue Service ist wirklich praktisch, weil er die Fahrzeiten verkürzt. Außerdem gibt es im Bus eine Klimaanlage und viel Platz.“ Die Kosten für eine Fahrt liegen zwischen 60 und 80 Cent.

Das Projekt wurde mit Unterstützung der EU finanziert, die ein Darlehen von 80 Millionen Euro über die Europäische Investitionsbank (EIB) bereitgestellt hat. Zudem flossen 7 Millionen Euro im Rahmen der Global-Gateway-Initiative.

Chinesische Unternehmen dominieren den Markt

Der Haken an der Sache: Den baulichen Teil des Projekts hat sich China gesichert. Die China Road and Bridge Corporation (CRBC) war für den Bau der Strecke, der Busstationen und der Umsteigeknoten verantwortlich. Die E-Busse stammen von der China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC), dem größten Hersteller von Schienenfahrzeugen weltweit.

Ein ähnliches Szenario droht nun erneut. Diesmal geht es um ein weiteres Nahverkehrsprojekt in Dakar, bei dem 380 Erdgasbusse zum Einsatz kommen sollen. Das 320 Millionen Euro teure Projekt wird ebenfalls von der EU finanziert, wobei die EIB, die Europäische Kommission, die französische Entwicklungsagentur (AFD) und die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beteiligt sind. Mercedes zieht beliebte Modelle wegen Antriebsproblemen zurück.

Der schwedische Fahrzeughersteller Scania war der einzige europäische Bieter für das Bus-Projekt. Doch der Zuschlag scheint an China zu gehen: CRRC gilt als Favorit für den Auftrag, da das staatliche Unternehmen aus Peking ein Angebot abgegeben hat, das nur halb so hoch ist wie das der Konkurrenz, zu der auch ein weiterer chinesischer Hersteller, King Long, gehört.

Politische Bedenken in Europa

Politiker in Brüssel, wie Hildegard Bentele, äußern sich besorgt über die Situation. „Der Vorgang ist aus meiner Sicht hochproblematisch“, sagte die Abgeordnete der konservativen EVP-Fraktion. Sie betont, dass es zu kurz greife, nur auf den Preis oder technische Vorteile zu schauen. „Hersteller in China können durch niedrigere Lohnkosten, schlechtere Arbeitsbedingungen, staatliche Subventionen und geringere Umweltauflagen deutlich günstiger produzieren. Die EU bezahlt, aber die Wertschöpfung, technologische Umsetzung und der wirtschaftliche Nutzen liegen außerhalb Europas. Das ist aus meiner Sicht kein tragfähiges Modell für die Zukunft“, so Bentele.

Eigentlich hätte sich das chinesische Staatsunternehmen gar nicht bewerben dürfen, da G-20-Länder außerhalb der EU für Ausschreibungen, die von der EU verwaltet werden, grundsätzlich nicht teilnahmeberechtigt sind, wie ein Sprecher der Kommission erklärte.

Die Europäische Investitionsbank erklärte, dass sie zwar nach der „Global Gateway“-Strategie investiere, dies jedoch nicht bedeute, dass nur europäische Projekte unterstützt würden. Mit dieser Initiative will die EU bis zu 300 Milliarden Euro in die Infrastruktur ärmerer Länder mobilisieren.

Entscheidung über Busauftrag verschoben

Somit könnten EU-Gelder bald nach China fließen, obwohl sie ursprünglich dazu gedacht waren, China im Rahmen seiner Neuen Seidenstraße entgegenzuwirken, einem gigantischen Infrastruktur- und Handelsprojekt Pekings.

Bentele fordert, dass die EU-Gelder gezielter eingesetzt werden sollten. „Entwicklungspolitik darf nicht isoliert von strategischen Interessen gedacht werden. Wir erleben derzeit sehr konkret, wie wichtig es ist, als Europäer in Schlüsselbereichen wie Energieinfrastruktur, Rohstoffen oder digitalen Netzen in strategisch wichtigen Partnerländern präsent zu sein und verlässliche Partnerschaften aufzubauen.“ Sie betont, dass europäische Unternehmen eine stärkere Rolle spielen sollten. „Wenn es zunehmend dazu kommt, dass ausschließlich nichteuropäische Unternehmen profitieren, dann sollten auch nichteuropäische Finanzinstitutionen diese finanzieren.“

Allerdings sehen nicht alle in Brüssel die Situation so. Der irische Europaabgeordnete Barry Andrews von der Renew-Fraktion erklärte, dass afrikanische Länder selbst entscheiden sollten, wie sie ihre Projekte umsetzen. Senegal solle sich für das beste Angebot entscheiden, selbst wenn dies bedeute, ein Angebot von Scania abzulehnen.

Chinas Einfluss in Afrika wächst

Die Entscheidung darüber, wer die Erdgasbusse nach Dakar liefern wird, sollte in den kommenden Wochen getroffen werden. Berichten zufolge wurde die Entscheidung jedoch auf später in diesem Jahr verschoben, möglicherweise aufgrund des Widerstands aus Europa.

China hat sich dank staatlicher Subventionen als führender Anbieter von Elektrofahrzeugen etabliert. Auch in Afrika drängen chinesische Hersteller auf den Markt und verkaufen dort zunehmend Fahrzeuge. Die Exporte haben sich zwischen 2020 und 2024 mehr als verdoppelt.

In Kapstadt, Südafrika, fahren Elektrobusse von BYD. Das örtliche Busunternehmen Golden Arrow hat 120 Busse des größten chinesischen E-Auto-Herstellers erworben, was den CO2-Ausstoß des Unternehmens um zehn Prozent reduziert hat, wie eine Sprecherin bei Bloomberg berichtete.

Chinesische Fahrzeughersteller errichten zudem zunehmend lokale Produktionsstätten in Afrika. In Ländern wie Nigeria, Kenia und Äthiopien werden Elektrofahrzeuge, darunter Mini-Busse, im Bausatzmodell zusammengebaut. Die fertigen Teile stammen aus China. Da die Fahrzeuge vor Ort montiert werden, gelten sie als lokal produziert, was sowohl dem Land als auch dem Hersteller zugutekommt. Die lokale Politik profitiert von Arbeitsplätzen, während der chinesische Anbieter sich frühzeitig Marktanteile sichert.

Pragmatische Ansätze zur Elektromobilität

Der Elektromobilitätsexperte Prian Reddy aus Kapstadt sieht die Situation pragmatisch: „Viele afrikanische Länder sind finanziell eingeschränkt. Wir sollten jede Entwicklungshilfe nutzen“, sagt er im Podcast Africa EV Show. „Wir wollen, dass Afrika einen Sprung in die klimaneutrale Zukunft macht. Wenn wir versuchen, alles alleine zu machen, wird es länger dauern. Anstatt das Rad neu zu erfinden, sollten wir die vorhandenen Ressourcen, die Lieferkette und die Finanzierungsmöglichkeiten nutzen.“ E-Fahrzeuge: Wesentlich günstigere Ladepreise im Vergleich zu Tankkosten.

Chinesische Busse auf dem europäischen Markt

Chinesische Fahrzeuge dringen zunehmend auch in den europäischen Markt vor, einschließlich Deutschland: E-Busse des Herstellers BYD sind bereits für die Deutsche Bahn im Einsatz, und weitere 3300 neue Hybrid- und Elektrobusse wurden bestellt, von denen die meisten vom Münchner Hersteller MAN geliefert werden. 200 elektrische Überlandbusse sollen jedoch ebenfalls von BYD kommen.

Die Busse aus China sind zwar kostengünstiger, jedoch nicht unbedingt sicher. Ein Test in Norwegen hat gezeigt, dass Busse des Herstellers Yutong theoretisch aus der Ferne gestoppt oder lahmgelegt werden könnten. Schweden hat aus Sicherheitsgründen chinesische E-Busse vergangenes Jahr aus dem Verkehr gezogen, da Bedenken bestehen, dass China sensible Daten sammeln könnte.

In Afrika scheinen solche Bedenken jedoch bislang keine Rolle zu spielen. Der Kontinent ist an sauberen und erschwinglichen Massenverkehrsmitteln interessiert, auch wenn dies eine Abhängigkeit von China zur Folge hat.

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Bildquelle: MichalCZE via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

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