Ressourcenverbrauch von KI-Chatbots im Mittelpunkt
In den letzten dreieinhalb Jahren hat die Anwendung von KI-Chatbots, wie etwa ChatGPT, stark zugenommen. Diese Technologien werden nicht nur für ihre Effektivität geschätzt, sondern auch für ihren beachtlichen Ressourcenverbrauch. Ein aktueller Bericht des UN-Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit (UNU-INWEH) wirft einen Blick auf den ökologischen Fußabdruck der Künstlichen Intelligenz. Hierbei werden verschiedene Dimensionen betrachtet, darunter CO₂-Emissionen, Wasser- und Rohstoffverbrauch sowie der Flächenbedarf für die notwendige Infrastruktur.
Kritik an der Methodik des UN-Berichts
Die Reaktionen auf den UN-Bericht sind unter Fachleuten unterschiedlich. Peter Radgen, Professor an der Universität Stuttgart, äußert Bedenken, weil der Wasserverbrauch in der Sub-Sahara-Region als Referenz herangezogen wurde. Zudem kritisiert er, dass der Bericht keine adäquaten Vergleiche zu anderen großen Energieverbrauchern, wie der Stahl- oder Chemieindustrie, anstellt, deren Verbrauch weitaus höher ist als der von Rechenzentren. Radgen bezeichnet die Reaktion auf die Ergebnisse des Berichts als übertrieben.
Prognosen zum Stromverbrauch von KI
Der Bericht prognostiziert, dass der Anteil der Künstlichen Intelligenz am globalen Stromverbrauch von derzeit rund 1,5 Prozent auf drei bis vier Prozent ansteigen könnte. Diese Entwicklung wirft wichtige Fragen zur Energieeffizienz und den ökologischen Auswirkungen auf.
Effizienzsteigerung durch Abwärmenutzung
Radgen macht darauf aufmerksam, dass in Rechenzentren weltweit erhebliches Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz besteht. Ungefähr 30 bis 40 Prozent des Stromverbrauchs werden für Kühlungsmaßnahmen aufgewendet. Durch die Integration von Rechenzentren in Wärmenetze könnte die Abwärme zur Beheizung von Industrieanlagen und Haushalten genutzt werden, was den ökologischen Fußabdruck deutlich verringern könnte. In Deutschland existieren bereits strenge ökologische Vorgaben für den Betrieb solcher Einrichtungen.
Wasserverbrauch und seine Folgen
Jens Gröger, Forschungskoordinator am Öko-Institut, betont die Relevanz des Wasserverbrauchs. In trockenen Regionen, in denen große Rechenzentren entstehen, kann dies zu Problemen führen. In den USA, Spanien und Chile werden Rechenzentren errichtet, die Grundwasser entziehen und verdampfen, was die Verfügbarkeit von Trinkwasser und Wasser für die Landwirtschaft gefährdet. Gröger kritisiert zudem die methodischen Ansätze des Berichts, da oft nicht zwischen Wasser für die Stromerzeugung und Wasser für Kühlzwecke unterschieden wird.
Stromverbrauch von Rechenzentren im Vergleich
Gröger erkennt die berechtigte Kritik am steigenden Stromverbrauch durch KI an. Der globale Energiebedarf wächst nicht nur aufgrund der KI, sondern auch durch den Anstieg der Elektrofahrzeuge und den Übergang von Industrien zu erneuerbaren Energien. Während andere Sektoren fossile Brennstoffe einsparen, kommt der zusätzliche Energiebedarf von Rechenzentren hinzu. Daher ist es entscheidend, dass die Energie für diese Einrichtungen nicht aus fossilen Brennstoffen stammt.
Regionale Unterschiede in der Energieversorgung
In den USA wird der zusätzliche Energiebedarf in einigen Regionen, wie Tennessee, oft durch neue Gaskraftwerke gedeckt, da die vorhandene Elektrizität nicht ausreicht, um die Rechenzentren zu betreiben. Der UN-Bericht warnt, dass ohne einen massiven Ausbau erneuerbarer Energien die Klimaziele in Gefahr geraten könnten. Gröger sieht hierin ein potenzielles Bedrohungsszenario, bietet jedoch auch Perspektiven für Lösungen an.
Nutzerverhalten als Einsparfaktor
Gröger hebt hervor, dass auch das Nutzerverhalten einen entscheidenden Einfluss auf die Ressourcenschonung hat. Viele KI-Anwendungen erzeugen gegenwärtig einen enormen Datenverkehr, der oft für triviale Anfragen genutzt wird. Dabei könnten spezialisierte, kleinere Modelle, die auf bestimmte Anwendungen ausgerichtet sind, deutlich weniger Strom und Wasser verbrauchen als große, universelle Systeme.
Technologische und politische Einflussfaktoren
Die künftige Entwicklung des Ressourcenverbrauchs von KI ist schwer vorhersehbar. Während die Zahl der Anwendungen wächst, gibt es sowohl technische als auch politische Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung. Experten betonen, dass diese Möglichkeiten im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit genutzt werden sollten, da Künstliche Intelligenz ein fester Bestandteil der Zukunft sein wird.
Quellen: tagesschau, Der Spiegel